So schauen wir im Valueverse auf Werte

Im Valueverse geben wir nicht vor, was ein Wert bedeutet. Jeder Mensch füllt Vertrauen auf seine eigene Weise und gewichtet es anders. Weil Orientierung trotzdem hilft, steht hier unsere Deutung: eine bewusst allgemeine Bedeutung von Vertrauen im Valueverse-Modell. Darum lohnt sich das Gespräch: Was heißt Vertrauen für dich, und was für dein Gegenüber?

In einer Gemeinschaft, also in der Familie, im Team oder in der Firma, braucht ein gemeinsamer Wert einen Satz, der für alle gilt. Zum Beispiel: „Vertrauen heißt bei uns: Wer eine Aufgabe übernimmt, entscheidet selbst, wie er sie löst.“ Für dich allein darf Vertrauen trotzdem etwas anderes bedeuten.

Wertekarte Vertrauen
Die Wertekarte Vertrauen

Vertrauen bedeutet, dass du dich auf jemanden verlässt, ohne vorher sicher zu wissen, dass es gut geht. Du lässt etwas los und gehst davon aus, dass der andere es gut mit dir meint. Als Wert heißt das: Du lebst lieber mit diesem Risiko, als dein Leben lang alles abzusichern.

Das Wort fällt ständig, in der Paarbeziehung, in der Familie, in jeder zweiten Teambesprechung. Was Vertrauen mit dir persönlich zu tun hat, merkst du aber meistens erst, wenn es fehlt.

Was bedeutet Vertrauen?

Im Kern ist Vertrauen eine Wette auf die Zukunft. Du weißt nicht, ob der andere hält, was er verspricht, und handelst trotzdem so, als ob. Nicht umsonst sagen wir „Vertrauen schenken“. Ein Geschenk kann niemand einfordern, und wer es bekommt, kann gut oder schlecht damit umgehen.

Vertrauen kann sich nach außen richten, auf andere Menschen, oder nach innen, auf dich selbst. In unserer Werteliste ist das zweite ein eigener Wert: Selbstvertrauen, also der Glaube an die eigene Kraft. Daneben gibt es Zuversicht, die sich auf das richtet, was noch kommt. Auf dieser Seite geht es vor allem um das Vertrauen zwischen Menschen.

Vertrauen und Zuverlässigkeit

Die beiden werden oft in einen Topf geworfen. Zuverlässigkeit ist das, was jemand liefert: Er hält Termine und macht, was er sagt. Vertrauen ist das, was du gibst, oft schon bevor du weißt, wie zuverlässig der andere ist. Zuverlässigkeit macht Vertrauen leichter, ersetzen kann sie es nicht. Im Valueverse-Modell gehört Zuverlässigkeit zur Sicherheit und Vertrauen zur Erfüllung. Warum, erkläre ich gleich.

Vertrauen fassen und Vertrauen missbrauchen

Rund um das Wort gibt es feste Wendungen, die viel über seine Bedeutung verraten. Vertrauen fassen heißt, dass es langsam entsteht, oft nach ein paar guten Erfahrungen. Wer dagegen Vertrauen missbraucht, nutzt den Vorschuss aus, den er bekommen hat. Für den, dem das passiert, ist das oft schlimmer als der eigentliche Schaden.

Vertrauen im Valueverse-Modell

Wertetyp Erfüllung (Grün), im Modell steht er für den Antrieb, für Selbstfindung und Freiheit.

Im Valueverse-Modell gehört Vertrauen zum Wertetyp Erfüllung, einem von vier Wertetypen. Das überrascht viele, weil man Vertrauen eher bei der Sicherheit vermuten würde. Ich sehe es so: Vertrauen hat viel mit Loslassen zu tun. Du hörst auf, alles absichern zu wollen, und dadurch wird es leichter in dir. Wer vertrauen kann, muss nicht jeden Schritt selbst überwachen und hat den Kopf frei für anderes. Seinen Eintrag mit Kehrseite und Klartext findest du bei den Werten der Erfüllung.

In deinem V-Code ist Vertrauen dann ein Stück deiner persönlichen Werte-Mischung. Wer Vertrauen weit oben hat, blüht oft in Umgebungen auf, in denen man sich etwas zutraut, und geht in einer Kultur aus Nachkontrollieren schnell ein.

Vertrauen im Valueverse-Modell, von oben und von der Seite
Jeder Punkt ist ein Wert aus dem Valueverse-Modell, jede Farbe ein Wertetyp. Von oben liegt Vertrauen im grünen Bereich der Erfüllung, ganz nah an der Mitte. Von der Seite sitzt es weit oben im Modell. In der Seitenansicht liegt Sicherheit links und Veränderung rechts. Gestrichelt verbunden ist Sicherheit, ein Wert, der im Modell weit von Vertrauen entfernt liegt.

Im Kontrast: Sicherheit

Weit weg von Vertrauen liegt im Modell Sicherheit, im Bild ist sie gestrichelt verbunden. Vertrauen sitzt nah an der Mitte im grünen Feld der Erfüllung, Sicherheit weit draußen im Orange. Wer Vertrauen lebt, will loslassen. Wer Sicherheit lebt, will absichern. Im Alltag zeigt sich das oft als Kontrolle, ebenfalls ein Wert aus dem orangen Feld. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagt das Sprichwort.

Schwierig wird es, wenn zwei Menschen mit diesen Werten zusammenarbeiten oder zusammenleben. Der eine fühlt sich ständig überwacht, die andere fühlt sich im Blindflug. Oft fängt dann jeder an, den Wert des anderen kleinzureden. Kontrolle heißt plötzlich Misstrauen, Vertrauen heißt Naivität. Im Wertequadrat von Schulz von Thun heißt so etwas entwertende Übertreibung.

Unvereinbar sind die zwei im Modell trotzdem nie. Verhandelt ihr sie miteinander, statt einen gegen den anderen auszuspielen, entsteht etwas, das keiner allein hinbekommt. So wie aus Sicherheit und Freiheit eine sichere Freiheit werden kann, wird hier ein Vertrauen mit Netz daraus. Ihr klärt vorher, wann und wie draufgeschaut wird, und dazwischen lässt du wirklich los.

Woran du Vertrauen im Alltag erkennst

In der Familie

Nimm an, deine Tochter ist 13 und will zum ersten Mal allein mit dem Zug zur Oma fahren. Vertrauen heißt hier, sie fahren zu lassen, nachdem ihr den Weg besprochen habt, und nicht alle zehn Minuten anzurufen. In Familien zeigt sich Vertrauen auch andersherum: wenn Kinder mit einem Problem zu dir kommen, weil sie wissen, dass du nicht gleich an die Decke gehst.

In Partnerschaft und Freundschaft

Für eine Partnerschaft heißt Vertrauen, dass du nicht wissen musst, mit wem dein Partner gerade schreibt. Du schaust nicht heimlich in sein Handy und brauchst keinen Bericht über jeden Abend. In Freundschaften merkst du es, wenn du jemandem etwas erzählst, das sonst niemand weiß, und dich darauf verlässt, dass es bei ihm bleibt.

Im Team

Warum ist Vertrauen im Team so wichtig? Weil Zusammenarbeit ohne Vertrauen zäh wird. Jeder sichert sich ab, und Fehler werden lieber versteckt als besprochen. Vertrauen siehst du daran, dass eine Führungskraft eine Aufgabe abgibt und sie danach nicht heimlich doch wieder an sich zieht. Und daran, dass jemand im Meeting sagen kann „Da hab ich Mist gebaut“, ohne dass es ihm später um die Ohren fliegt. Wie Führung dazu beitragen kann, steht im Artikel Wie werteorientierte Führung Vertrauen stärkt.

Wenn Vertrauen kippt

Vertrauen kippt in Naivität, wenn du die Augen zumachst, obwohl du längst etwas ahnst. Der Kollege hat zum vierten Mal eine Zusage nicht gehalten, und du sagst dir immer noch, dass es diesmal anders wird. Blindes Vertrauen heißt im Alltag oft, dass du die Verantwortung für dein eigenes Urteil abgibst. Und wenn es schiefgeht, bleibt nur der Satz: „Ich hab mich doch darauf verlassen.“

Das andere Extrem kennen viele nach einem Vertrauensbruch. Dann wird gar nicht mehr vertraut, und jeder Neue muss erst mal beweisen, dass er es verdient. Im Valueverse-Modell hat jeder Wert so eine Kehrseite, und wer sie komplett abschneiden will, landet schnell auf der anderen Seite. Hilfreicher ist, beides im Blick zu haben: wo du Vertrauen gibst und wo ein zweiter Blick angebracht wäre.

Und wenn Vertrauen kaputtgegangen ist? Dann wächst es meistens langsam wieder, über kleine Zusagen, die eingehalten werden. Ein großes Versprechen hilft dabei weniger als viele kleine, die halten.

Ist Vertrauen einer deiner Werte?

Ein paar Fragen, die du dir in Ruhe stellen kannst:

  • Fällt es dir leicht, eine Aufgabe abzugeben, ohne hinterher nachzuschauen?
  • Gehst du bei neuen Menschen erst einmal vom Guten aus, oder müssen sie sich dein Vertrauen verdienen?
  • Wie lange beschäftigt dich ein Vertrauensbruch?
  • Was tut dir mehr weh: enttäuscht zu werden oder jemandem misstraut zu haben, der es nicht verdient hatte?

Packen dich diese Fragen richtig, ist Vertrauen vermutlich einer deiner wichtigen Werte. Klarheit bringt dir unser kostenloser Wertetest. Du entscheidest dich darin immer wieder zwischen zwei Werten. Am Schluss zeigt er dir deinen V-Code, also deinen Lebenswert, deine Grundwerte und deine Superkräfte. Am Küchentisch klappt das mit Karten, zum Beispiel mit dem WERTvollsten Spiel der Welt. Als Paar spielt ihr beide und vergleicht danach, wo bei euch Vertrauen liegt und wo Kontrolle. Für Teams gibt es das Team Set.

Häufige Fragen

Was bedeutet Vertrauen in einer Beziehung?

Vertrauen in einer Beziehung heißt, dass ihr euch aufeinander verlassen könnt, ohne euch gegenseitig zu überwachen. Du gehst davon aus, dass dein Partner es gut mit dir meint, auch wenn du nicht alles mitbekommst.

Was bedeutet blindes Vertrauen?

Blindes Vertrauen heißt, jemandem ohne jede Prüfung zu vertrauen, auch gegen Warnzeichen. In sehr engen Beziehungen kann das ein großes Kompliment sein. Wird es zur Regel, kippt Vertrauen leicht in Naivität.

Warum ist Vertrauen im Team wichtig?

Weil Menschen nur dann offen über Fehler und Ideen reden, wenn sie nicht befürchten müssen, dass es gegen sie verwendet wird. Fehlt Vertrauen, sichert sich jeder ab, und das kostet Zeit und Energie.

Wie kann man Vertrauen wieder aufbauen?

Meistens in kleinen Schritten. Sprecht offen an, was passiert ist, und macht danach kleine Zusagen, die auch gehalten werden. Vertrauen wächst über gute Erfahrungen mit dem anderen, und die brauchen Zeit.

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