Anerkennung bedeutet, dass andere sehen, was du bist und was du tust, und dass sie es dir auch zeigen. Als persönlicher Wert heißt das: Ein ehrliches Danke oder ein ernst gemeintes Lob gibt dir Kraft, und wenn es ausbleibt, merkst du das deutlich. Im Valueverse gehört Anerkennung zu den Werten der Beziehung.

Wertetyp Beziehung · Pink
Anerkennung, Illustration von Cynthia aus der Limited Edition
So hat Cynthia Anerkennung für unsere Limited Edition gezeichnet.
So schauen wir im Valueverse auf Werte

Im Valueverse geben wir nicht vor, was ein Wert bedeutet. Jeder Mensch füllt Anerkennung auf seine eigene Weise und gewichtet sie anders. Weil Orientierung trotzdem hilft, steht hier unsere Deutung: eine bewusst allgemeine Bedeutung von Anerkennung im Valueverse-Modell. Darum lohnt sich das Gespräch: Was heißt Anerkennung für dich, und was für dein Gegenüber?

In einer Gemeinschaft, also in der Familie, im Team oder in der Firma, braucht ein gemeinsamer Wert einen Satz, der für alle gilt. Zum Beispiel: „Anerkennung heißt bei uns: Wenn jemand etwas geschafft hat, sagen wir es ihm noch am selben Tag.“ Für dich allein darf Anerkennung trotzdem etwas anderes bedeuten.

Wertekarte Anerkennung
Die Wertekarte Anerkennung

Was bedeutet Anerkennung?

Das Wort hat zwei Seiten. Ein Staat erkennt einen Abschluss an, ein Amt erkennt eine Ausbildung an. Das ist die formale Anerkennung, und um die geht es hier nicht. Als Wert meint Anerkennung etwas Persönliches: Jemand nimmt wahr, was du beigetragen hast, und sagt es dir.

Dabei geht es selten um großen Applaus. Viele Menschen, die Anerkennung als Wert nennen, wünschen sich eigentlich nur, dass ihre Arbeit gesehen wird. Die Kollegin, die jeden Freitag die Übergabe schreibt, will keine Rede. Sie will, dass irgendwer merkt, dass es ohne sie schwieriger wäre.

In unserer Werteliste liegen zwei Werte ganz nah an Anerkennung, alle drei sind pink:

Anerken­nung

Worum es geht

gesehen werden für das, was du tust

Die Frage dahinter

Bemerkt jemand meinen Beitrag?

Wertschät­zung

Worum es geht

gemocht werden für das, was du bist

Die Frage dahinter

Bin ich hier willkommen?

Ansehen

Worum es geht

bei vielen etwas gelten

Die Frage dahinter

Was denken die anderen über mich?

Der Unterschied zur Wertschätzung wird oft gesucht. Wertschätzung gilt dem Menschen, auch an Tagen, an denen er nichts geleistet hat. Anerkennung hängt meistens an einer Tat. Beides braucht man, und wer nur eins davon bekommt, merkt das irgendwann.

Anerkennung im Valueverse-Modell, von oben und von der Seite
Jeder Punkt ist ein Wert aus dem Valueverse-Modell, jede Farbe ein Wertetyp. Von oben liegt Anerkennung im pinken Bereich der Beziehung, zur Sicherheit hin, etwa auf halbem Weg nach außen. Von der Seite gesehen liegt sie etwa auf halber Höhe, links der Mitte. In der Seitenansicht liegt Sicherheit links und Veränderung rechts. Gestrichelt verbunden ist Autonomie, ein Wert, der im Modell weit von Anerkennung entfernt liegt.
Wertetyp: Beziehung, Farbe Pink

Anerkennung im Valueverse-Modell

Das Herz: alles, was Menschen verbindet und Gemeinschaft trägt.

Pink steht im Valueverse für Beziehung, einen unserer vier Wertetypen. Anerkennung braucht immer jemanden, der sie gibt, deshalb gehört sie hierher. Im Modell liegt sie im pinken Bereich mit einer deutlichen Neigung zur Sicherheit. Gleich neben ihr liegen Fairness und Ehrlichkeit. Wer Anerkennung schätzt, will meistens auch, dass es gerecht zugeht und offen geredet wird. Alle Werte drumherum findest du auf der Seite Werte der Beziehung.

Im V-Code zeigt Anerkennung, woraus du Kraft ziehst und was dir fehlt, wenn es knapp wird. Neben Leistung wird daraus eher der Wunsch, dass Arbeit gesehen wird. Neben Familie eher der Wunsch, dass Fürsorge nicht selbstverständlich genommen wird.

Im Kontrast: Autonomie

Wertekarte Anerkennung

Anerkennung

vs.

Autonomie

Autonomie liegt im Grün der Erfüllung, weit weg von Anerkennung. Die Spannung ist leicht zu sehen. Anerkennung braucht andere, die hinschauen. Autonomie heißt, dass du selbst entscheidest, egal wer hinschaut. Stell dir zwei Projektleiterinnen in derselben Firma vor. Die eine will nach jedem Schritt wissen, wie es beim Chef ankommt. Die andere findet das anstrengend und will einfach ihr Ding machen.

Spielen die beiden ihre Werte gegeneinander aus, hält die eine die andere für bedürftig und wird selbst für arrogant gehalten. Verhandeln sie, wird es interessant. Die eine lernt, sich ihr Urteil selbst zu bilden, die andere lernt, wie gut eine Rückmeldung tut. Anerkannte Autonomie, autonome Anerkennung: So wird aus zwei Haltungen ein Team, das sich gegenseitig stärkt. Woran du so einen Konflikt früh merkst, steht im Artikel über Wertekonflikte.

Woran du Anerkennung im Alltag erkennst

Manchmal reicht ein Moment, in dem alle kurz aufhören und klatschen.

In der Familie

Zuhause zeigt sich Anerkennung oft an Kleinigkeiten, die niemand erwähnt. Wer jeden Tag kocht und an alle Geburtstage denkt, wird schnell unsichtbar. Menschen mit diesem Wert spüren das stärker als andere. Sie freuen sich über ein „Das war lecker“ mehr als über ein Geschenk, und sie loben ihre Kinder für den Weg, nicht nur fürs Ergebnis.

In Partnerschaft und Freundschaft

In einer Partnerschaft heißt Anerkennung, dass ihr euch gegenseitig sagt, was ihr aneinander habt. Klingt banal, geht aber im Alltag schnell verloren. In Freundschaften merkst du den Wert daran, wer sich zuerst meldet, wenn du etwas geschafft hast. Und daran, wie sehr dich ein Freund kränkt, der deine große Neuigkeit nur mit einem Daumen beantwortet.

Im Job

Bei der Arbeit ist Anerkennung oft der Grund, warum Menschen bleiben oder gehen. Gehalt zählt, klar. Wer aber monatelang keine Rückmeldung bekommt, fängt an, sich zu fragen, wofür er das alles macht. Gute Führung erkennt man daran, dass sie konkret lobt: Wer hat was gemacht, und was hat es gebracht? Mehr dazu steht im Praxisguide für wertebasierte Führung.

Value Awareness
Für Teams und Führung

Value Awareness

Wer im Team welche Anerkennung braucht, ist selten Thema, bis jemand kündigt. Mit Value Awareness redet ihr vorher darüber. Im Deck stecken 100 Wertekarten, dazu gibt es über 30 Anleitungen, vom Teamworkshop bis zum Mitarbeitergespräch.

Ein paar Beispiele, wie Anerkennung aussehen kann:

  • Du bedankst dich bei jemandem für etwas, das eigentlich sein Job ist.
  • Du erzählst im Meeting, wer die Idee wirklich hatte.
  • Du schreibst nach einem Abend eine Nachricht, wie schön es war.
  • Du fragst nach, wie jemand das hingekriegt hat, statt nur „super“ zu sagen.
Die Kehrseite

Wenn Anerkennung kippt

Der Schatten von Anerkennung ist die Abhängigkeit. Wer seinen Wert nur noch daran misst, ob andere klatschen, gibt das Steuer aus der Hand. Du machst dann eher das, wofür es Lob gibt, und weniger das, was du selbst für richtig hältst. Irgendwann fühlt sich ein ruhiger Tag ohne Rückmeldung an wie eine Niederlage.

Die zweite Falle ist leiser. Wer selbst viel Anerkennung braucht, kann schlecht welche geben, weil jedes Lob für andere sich wie ein Verlust anfühlt. Im Team kippt das schnell in Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Chefin. Der Ausweg ist meistens, den Blick umzudrehen. Wer anfängt, andere zu sehen, wird oft auch selbst wieder gesehen.

Lob von außen tut gut. Wenn du dir selbst nichts mehr glaubst, hilft es dir aber kaum.

Ist Anerkennung einer deiner Werte?

Antworte spontan mit Ja oder Nein:

  • Denkst du am Abend noch darüber nach, dass sich keiner bedankt hat?
  • Arbeitest du besser, wenn du weißt, dass jemand das Ergebnis anschaut?
  • Fällt es dir auf, wenn im Meeting die Idee eines anderen unter den Tisch fällt?
  • Gibt dir ein konkretes Lob mehr als eine Gehaltserhöhung ohne Worte?

Sind zwei Ja oder mehr zusammengekommen, probier den Werte-Schnell-Test aus. Mehr als ein kleiner Einblick ist er nicht, aber nach einer Minute ahnst du, wohin deine Werte tendieren. Genauer wird es am Tisch: In Das WERTvollste Spiel der Welt lässt du Werte in Duellen gegeneinander antreten, bis acht übrig sind. Ob Anerkennung bleibt oder gegen Unabhängigkeit den Kürzeren zieht, siehst du dann schwarz auf weiß.

Das WERTvollste Spiel der Welt
Anerkennung liegt in diesem Spiel

Das WERTvollste Spiel der Welt

Anerkennung ist eine der 52 Karten im Basisspiel. Richtig interessant wird es, wenn sie im Duell auf Unabhängigkeit trifft.

Lieber gleich drei Spiele? Im Starter Set stecken das Basisspiel, Super Power Values und das Fragespiel, zusammen für 49,90 € statt 59,70 €.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Anerkennung und Wertschätzung?

Anerkennung bezieht sich meistens auf etwas, das du getan hast, zum Beispiel ein Projekt oder eine Hilfe. Wertschätzung gilt dir als Mensch, unabhängig von deiner Leistung. Im Alltag gehen beide oft zusammen.

Was sind Beispiele für Anerkennung im Job?

Ein konkretes Lob im Meeting, ein Dank per Nachricht, eine Aufgabe mit mehr Verantwortung oder die Nennung des Namens, wenn ein Projekt vorgestellt wird. Am stärksten wirkt Anerkennung, wenn sie genau sagt, was gut war.

Warum brauchen Menschen Anerkennung?

Weil Menschen soziale Wesen sind und wissen wollen, ob ihr Beitrag ankommt. In der Bedürfnispyramide nach Maslow steht das Bedürfnis nach Anerkennung auf der vierten Stufe. Den Unterschied zwischen Bedürfnis und Wert erkläre ich im Artikel Werte und Bedürfnisse.

Wie kann ich Anerkennung zeigen?

Sag konkret, was dir aufgefallen ist und was es für dich bedeutet hat. „Danke, dass du gestern so schnell eingesprungen bist, sonst hätte ich den Termin verloren“ wirkt viel mehr als ein allgemeines „Gut gemacht“.