Kindern Werte vermitteln: Welche Werte Kinder brauchen
Wie du deinem Kind Werte vermittelst: durch Vorleben, kindgerechte Erklärungen und kleine Rituale am Familientisch. Dazu Zahlen aus unserer Studie, was Jugendlichen am wichtigsten ist.
Wie du deinem Kind Werte vermittelst: durch Vorleben, kindgerechte Erklärungen und kleine Rituale am Familientisch. Dazu Zahlen aus unserer Studie, was Jugendlichen am wichtigsten ist.
Kindern Werte vermitteln klappt vor allem über das, was du selbst vorlebst, und über Gespräche, in denen dein Kind zuerst erzählen darf. Welche Werte Kinder brauchen, kann dir keine Liste sagen. Was hilft: Werte an echte Situationen hängen, ein Wort nach dem anderen erklären und regelmäßig am Familientisch darüber reden.
Als systemischer Coach arbeite ich seit mehr als zehn Jahren mit Menschen, seit fünf Jahren tüftle ich am Valueverse-Modell. Mit Werten arbeite ich jeden Tag. Und ich bin Vater. Hier steht, was ich aus beidem für Eltern mitnehme, dazu ein paar Zahlen aus unserer eigenen Studie und Übungen, die du heute Abend ausprobieren kannst. Mehr zum großen Thema findest du auf unserer Seite Werteorientierung.
Ehrliche Antwort: Das entscheidet ihr als Familie. Es gibt keinen Satz Werte, den jedes Kind haben muss. Was ich aber sagen kann: Manche Wörter verstehen Kinder sofort, andere bleiben lange abstrakt.
In unserer Schul-Anleitung zum Werte-Finden mit Jugendlichen kürzen wir das Kartendeck deshalb vorher. Raus fliegen Wörter, mit denen eine Zehnjährige nichts anfangen kann, zum Beispiel Souveränität, Pragmatismus oder Objektivität. Drin bleiben Freundschaft, Ehrlichkeit, Mut, Familie, Freiheit, Humor, Gerechtigkeit und Sicherheit. Für den Start zu Hause ist das eine gute Auswahl. Wenn du mehr Wörter suchst, guck in unsere Werteliste mit über 200 Werten.
In „Die WERTvollste Studie Deutschlands“ stecken die Antworten von 1.000 Befragten, je zur Hälfte Frauen und Männer. Ausgewertet hat das Prof. Dr. Hans-Peter Erb. Die jüngste Gruppe in der Auswertung sind die unter 20-Jährigen. Und die sortieren anders als die Erwachsenen.
| Platz | unter 20 Jahre | 20 bis 39 Jahre |
|---|---|---|
| 1 | Loyalität | Gesundheit |
| 2 | Treue | Familie |
| 3 | Familie | Treue |
| 4 | Gesundheit | Gerechtigkeit |
| 5 | Respekt | Freiheit |
Loyalität steht bei den Jüngsten ganz oben. Bei den 20- bis 39-Jährigen rutscht sie auf Platz 10. Ich lese das so: Für Jugendliche zählt enorm, wer zu ihnen hält. Freunde, Clique, die eigenen Leute. Stell dir vor, dein Kind deckt lieber seine Freundin, als dir alles zu erzählen. Dann spielt da sehr wahrscheinlich ein Wert mit, der ihm gerade richtig wichtig ist. Die kompletten Ranglisten stehen unter Die Werte der Deutschen.
Ob du einen Wert kennst oder ob du ihn lebst, das sind für mich zwei verschiedene Paar Schuhe. Bei Kindern merkst du das besonders. Du kannst zehnmal sagen, dass Ehrlichkeit wichtig ist. Wenn du am Telefon flunkerst und dein Kind sitzt daneben, hat es die eigentliche Lektion schon gelernt.
Ein Beispiel von mir. Mein Sohn hat mich mal morgens gefragt, ob ich Lust habe, mit ihm zur Schule zu gehen. Ich hatte ehrlich gesagt gar keine Lust. Ich bin trotzdem mitgegangen, weil dahinter für mich der Familienwert steht. Ich will für meine Familie da sein und meinem Sohn Sicherheit geben. Ob er das in dem Moment so verstanden hat? Keine Ahnung. Aber er hat erlebt, dass ich mitkomme, wenn er fragt.
Oder die Woche, in der ich mit ihm Lego-Schiffe gebaut und mein Handy ganz weit weggelegt habe. Das war mein schönster Moment der Woche. Gesagt hab ich dazu nichts, gezeigt hab ich eine ganze Menge.
Willst du wissen, was du gerade vorlebst? Dann nimm dir diese zwei Fragen vor, am besten schriftlich:
Beide Fragen stehen so auch in unserer Anleitung für Elternabende. Was auf die erste Frage kommt, sind Werte. Die zweite bringt laut Anleitung bei Eltern regelmäßig was ins Rutschen. Lass dir Zeit damit.
Kinder verstehen einen Wert über eine Situation, die sie kennen. Eine Definition hilft ihnen wenig. Deshalb lohnt es sich, jedes Wort an einen Moment aus ihrem Alltag zu hängen und danach eine Frage zu stellen. Hier ein paar Formulierungen, wie du es zum Beispiel sagen könntest:
Mach dich auf was gefasst. Laut unserer Elternabend-Anleitung überrascht Eltern dort fast immer, wie viel härter und konkreter Kinder ihre Sätze formulieren als Erwachsene. Die reden nicht drumherum.
Das ist ein Ritual aus unserer Schul-Anleitung, das zu Hause genauso klappt. Es funktioniert wie Tabu.
Meistens nicht. Und das ist das Spannende daran. Mut ist für dein Kind vielleicht, im Schwimmbad vom Dreier zu springen, und für dich, im Job mal Nein zu sagen. Über diesen Unterschied kommt ihr ins Reden.
Ein großes Familiengespräch über Werte klingt gut und passiert selten. Kleine Gewohnheiten halten länger. Eine Idee, die wir aus dem Schulalltag übernommen haben, ist der Wert der Woche.
Mach das ein paar Wochen am Stück, bevor du was Neues probierst. Und wenn es alle nervt, hör auf damit. Ein Ritual, bei dem alle die Augen verdrehen, macht mehr kaputt, als es bringt.
Ein Hinweis aus unserer Elternabend-Anleitung, den ich jedem Elternteil mitgeben würde: Wenn ihr über Werte redet, lass dein Kind zuerst sagen, was ihm wichtig ist. Erzähl deine Werte erst danach. Wenn Eltern anfangen, passt sich das Kind schnell an und sagt, was du hören willst.
Und noch was. Die Werte deines Kindes gehören deinem Kind. Du musst sie nicht korrigieren, und du musst sie auch nicht gut finden. Wenn deinem Kind Freiheit wichtiger ist als Ordnung, ist das erst mal eine Information über dein Kind. Mehr nicht. Wie solche Unterschiede in Familien aussehen und wie ihr eure gemeinsamen Werte findet, steht im Artikel Familienwerte: Beispiele und wie ihr eure findet.
Im Valueverse-Modell hat jeder Wert eine von vier Farben, und jede Farbe steht für einen Wertetyp. Für Kinder kannst du das in Bilder übersetzen, die sie kennen. Orange ist das Fundament, also alles, worauf du dich verlassen kannst, auch wenn der Tag mal wackelt. Pink ist das Herz, das sind deine Leute. Blau ist das Wachstum, das spürst du immer dann, wenn du dich was Neues getraut hast und hinterher ein bisschen stolz bist. Grün ist der Antrieb, das, was dich von innen froh macht. Genauer erklärt stehen die vier Typen in Was sind Werte?.
Die acht Wörter, die ich weiter oben für den Start empfohlen habe, decken übrigens alle vier Farben ab. Sicherheit und Gerechtigkeit gehören laut unserer Werteliste zum Fundament, Freundschaft, Ehrlichkeit, Familie und Humor zum Herz. Mut ist Wachstum, Freiheit ist Antrieb. Wenn ihr Werte-Raten spielt, könnt ihr danach fragen: Welche Farbe hatte der Wert?
Für Familien finde ich noch was anderes wichtig. Jeder Mensch hat seine eigene Werte-DNA, bei uns heißt sie V-Code, und unter einem Dach leben deshalb immer mehrere davon. Bei dem Beispiel von eben, Freiheit vor Ordnung, treffen Grün und Orange aufeinander. Dann kracht es öfter mal. Keiner von euch macht was falsch. Auch ein Kind, das die Freiheit liebt, will wissen, dass jemand den Rahmen hält. Und dir tut ein Stück Freiheit zwischendurch auch gut. Wenn ihr darüber redet, wächst mit der Zeit ein gemeinsamer Familienkompass, in dem beide Farben Platz haben.
Ich sag's dir gleich: Ein eigenes Kinder-Deck haben wir nicht. Unser Basisspiel Das WERTvollste Spiel der Welt hat 52 Werte und richtet sich an Menschen ab 14. Unsere Anleitung für Paare und Familien beschreibt aber ein paar Anpassungen, mit denen Kinder ab etwa zehn mitspielen können. Wie so ein Familienabend abläuft und wie ihr das Deck dafür kürzt, steht in unserem Artikel über die Spielweisen fürs Wertespiel.
In unseren Umfragen wünschen sich übrigens einige Käuferinnen und Käufer so was. Jemand schrieb uns: „Karten für Kinder und Jugendliche (ab 10 Jahren).“ In einer anderen Rückmeldung kam die Frage nach einer Junior Edition. Wir haben das gehört. Versprechen kann ich dir dazu heute aber nichts.
Wenn du Lehrkraft bist und Werte in der Klasse angehen willst, ist das ein eigenes Thema. Dafür gibt es den Artikel Unterrichtsmaterial für Werte in der Schule.
Über Situationen geht das schon mit kleinen Kindern, etwa wenn ihr darüber redet, was gerade fair war oder was Mut gebraucht hat. Mit Wertekarten wird es ab etwa zehn Jahren spannend. Unser Basisspiel ist ab 14 gedacht und lässt sich für Familien mit Anpassungen ab etwa zehn spielen.
Erst mal zuhören und nachfragen, was das Wort für dein Kind bedeutet. Oft meint ihr mit demselben Wort was anderes, oder ihr gewichtet nur anders. Unterschiedliche Werte gehören in jede Familie, schwierig wird's meistens erst, wenn keiner drüber spricht.
Das legt jede Familie selbst fest. Gut für den Einstieg sind Wörter, die Kinder selbst erklären können, wie Freundschaft, Ehrlichkeit, Mut oder Gerechtigkeit. In unserer Studie landen Loyalität und Treue bei den Befragten unter 20 auf den ersten beiden Plätzen.
Mehr zum Thema: Alles zu Werteorientierung findest du auf unserer Themenseite.
Geschrieben von Hendrik Martens, Systemischer Business Coach und Erfinder des Valueverse.