Typische Unternehmenswerte sind zum Beispiel Verantwortung, Zuverlässigkeit, Respekt, Vertrauen, Ehrlichkeit, Qualität, Mut und Teamgeist. Gelebt wird so ein Wert aber erst, wenn ein Satz dazukommt, der Verhalten beschreibt, etwa: „Verantwortung heißt bei uns: Wer etwas zusagt, sagt Bescheid, sobald es knapp wird.“ Unten findest du eine Beispiel-Liste nach Bereichen und Regeln fürs Formulieren. Zum Schluss zeige ich kurz, wie ihr eure eigenen Werte mit dem Team findet.
Nimm die Beispiele als Reibungsfläche. Wer sie eins zu eins abschreibt, hat am Ende wieder Werte, die nur an der Wand hängen. Warum das so oft passiert, steht gleich als Erstes.
Was sind Unternehmenswerte?
Unternehmenswerte beschreiben, wonach eine Firma entscheidet und handelt, gerade dann, wenn es unbequem wird. Sie sagen, wie ihr miteinander und mit Kunden umgeht und was ihr macht, wenn sich zwei gute Ziele beißen. Ein Wert hat dabei immer zwei Seiten: das Wort, das jeder kennt, und die Bedeutung, die bei jedem Menschen ein bisschen anders aussieht.
Im Unternehmen merkst du das schnell. Zehn Leute lesen „Verantwortung“ und haben zehn Bilder im Kopf. Mehr zum Thema insgesamt findest du auf unserer Seite zu Unternehmenswerten.
Warum Werte an der Wand scheitern
Du kennst das Bild, oder? Im Eingang hängt ein Plakat mit vier schönen Wörtern, und im Meeting nebenan läuft es ganz anders. Dafür gibt es meistens zwei Gründe.
Der erste: Die Werte kommen von außen. In unserer Wertestudie mit 1.000 Befragten steht, dass die Entwicklung von Unternehmenswerten häufig an externe Berater oder Marketingabteilungen ausgelagert wird. Dann geht es darum, wie die Firma nach außen wirken möchte. Mit den Menschen drinnen hat das wenig zu tun. Die Studie zeigt auch, wie weit das auseinanderliegen kann: Innovation landet bei den Befragten auf Platz 26 von 32 Werten. Zuverlässigkeit steht auf Platz 4, Respekt auf Platz 6. Ein Wort, das sich auf der Website gut macht, ist den Leuten persönlich also noch lange nicht wichtig.
Der zweite: Es bleibt beim Wort. „Respekt“ allein sagt nichts darüber, was du am Montagmorgen anders machst. Jeder füllt das Wort mit seiner eigenen Bedeutung, und irgendwann streitet man sich über Dinge, die alle für selbstverständlich gehalten haben. In meiner Anleitung für Gründerteams steht dazu: Der Satz ist der eigentliche Wert. Das Wort allein ist Deko.
Unternehmenswerte Beispiele: eine Liste nach Bereichen
Die Beispiele sind danach sortiert, wofür ein Wert im Alltag sorgt. Zu jedem Bereich gibt es einen ausformulierten Satz. Die meisten Sätze sind ausgedacht, damit du siehst, wie das klingen kann. Eure Sätze müssen aus eurem eigenen Alltag kommen.
Miteinander im Team
Respekt, Vertrauen, Wertschätzung, Offenheit, Teamgeist, Hilfsbereitschaft, Loyalität, Empathie.
Beispiel: „Offenheit heißt bei uns: Wer ein Problem sieht, spricht es im Meeting an, solange noch alle im Raum sitzen.“
Verlässlichkeit und Ordnung
Zuverlässigkeit, Verantwortung, Disziplin, Sorgfalt, Qualität, Sicherheit, Struktur.
Beispiel: „Verantwortung heißt bei uns: Wer etwas zusagt, sagt Bescheid, sobald klar ist, dass es knapp wird. Und zwar bevor der Abgabetag da ist.“
Kunden und Partner
Ehrlichkeit, Fairness, Gerechtigkeit, Kundennähe, Transparenz, Nachhaltigkeit.
Beispiel aus meiner Anleitung für Gründerteams: „Ehrlichkeit heißt bei uns: Wir sagen dem Kunden auch, wenn unser Produkt nicht das richtige für ihn ist.“
Entwicklung und Veränderung
Mut, Neugier, Lernen, Kreativität, Innovation, Tempo, Eigenverantwortung, Freiheit.
Beispiel aus derselben Anleitung: „Tempo heißt bei uns: lieber diese Woche zu 80 Prozent live als in einem Monat perfekt.“
Freude und Sinn
Freude, Leichtigkeit, Humor, Begeisterung, Sinn, Gemeinschaft.
Beispiel: „Freude heißt bei uns: Wenn etwas geklappt hat, feiern wir das kurz, bevor das nächste Thema drankommt.“
Siehst du den Unterschied? Das Wort allein könnte bei jeder Firma stehen. Der Satz danach passt nur zu euch. Weitere Begriffe mit kurzer Bedeutung findest du in unserer Werteliste, insgesamt arbeiten wir im Valueverse mit über 200 Werten.
Unternehmenswerte formulieren: sechs Regeln
1. Zu jedem Wort gehört ein Satz
Das Format ist simpel: „[Wert] heißt bei uns: …“. Der Satz beschreibt, was ihr tut, und gern auch, was ihr lasst. Mit so einem Satz habt ihr eine Handlungsanweisung, an der man sich im Stress festhalten kann.
2. Schreib Verhalten auf, das man sehen kann
Ein guter Test: Könnte eine neue Kollegin nach einer Woche sagen, ob ihr das lebt? „Wir schätzen einander“ kann sie nicht sehen. „Wir sagen Danke, wenn jemand für uns eingesprungen ist“ schon. Beides ist hier nur ein Beispiel, aber du merkst, wie viel konkreter der zweite Satz ist.
3. Trenn Firmenwerte von persönlichen Werten
Nicht alles, was dir persönlich wichtig ist, gehört in die Firma. Die Frage dazu: Würden wir von einer Mitarbeiterin erwarten, dass sie danach handelt? Wenn nein, ist es dein Wert und bleibt bei dir. Familie ist so ein klassischer persönlicher Wert. Ehrlichkeit gegenüber Kunden ist ein Firmenwert. Beides ist wertvoll, aber nur eins gehört ins Leitbild.
4. Bleib bei wenigen Werten
Drei bis fünf reichen. Ein Käufer hat uns geschrieben: „Sich auf nur wenige Werte festzulegen ist schwierig.“ Ja, ist es. Aber beim Weglassen merkt ihr, was wirklich zählt. Bei zehn Werten weiß irgendwann keiner mehr, welcher im Zweifel gewinnt.
5. Nehmt eure eigene Sprache
Ihr dürft Begriffe erfinden, englische Wörter wie Commitment nehmen oder mit Bildern arbeiten. Und wenn ein Begriff starr klingt, deutet ihn aktiv um. In meiner Anleitung zu Gruppenwerten steht ein Beispiel aus der Praxis: Ein Team hatte Sicherheit, Respekt und Disziplin zu „Stabilität“ zusammengefasst. Das klang erst mal nach Stillstand. Der Satz dazu hat es gedreht: „Stabilität bedeutet für uns, ein unterstützendes Umfeld zu fördern, in dem sich jedes Mitglied sicher entfalten kann.“
6. Macht den Filtertest
Nehmt ein paar echte Entscheidungen, die bei euch gerade anstehen, und haltet jeden Wert dagegen. Wen stellen wir ein? Welches Projekt lassen wir sein? Bei welchem Kunden sagen wir ab? Wenn ein Wert bei keiner dieser Fragen etwas ändert, ist er Dekoration. Dann formuliert ihn schärfer oder streicht ihn.
Der V-Code-Blick: Welche Farbe fehlt in eurem Kanon?
Bevor ihr euer Leitbild festzurrt, haltet es noch gegen die vier Wertetypen aus dem Valueverse. Die Bereiche oben habe ich nach dem Alltag sortiert, die Wertetypen fragen dagegen, wohin ein Wert zieht, und jeder Wert in unserer Werteliste gehört zu einem davon: Sicherheit, Beziehung, Veränderung oder Erfüllung. Beim Menschen heißt diese Mischung V-Code. Bei einer Firma zeigt sie euch, wo ihr stark seid und welche Farbe fehlt.
Stell dir eine Firma mit diesen fünf Werten vor: Qualität, Zuverlässigkeit, Effizienz, Professionalität und Innovation. Laut Werteliste gehören die ersten vier zu Sicherheit, also Orange, und nur Innovation ist Veränderung. Bombenfestes Fundament. Und Beziehung und Erfüllung? Kommen gar nicht vor. Im Leitbild steht also weder, wie ihr miteinander umgeht, noch, wofür sich die ganze Arbeit eigentlich lohnt. Ein Fehler muss das nicht sein, denn eine Firma in einer wackeligen Phase braucht vielleicht erst mal vor allem Boden unter den Füßen. Fragt euch trotzdem, wo bei euch das Herz vorkommt.
Noch klarer wird's, wenn ihr die Werte eurer Leute daneben legt. Hängt im Leitbild fast nur Orange, während das Team seine Kraft vor allem aus Pink und Grün zieht, findet sich da drin kaum jemand wieder. Das kann einer der Gründe sein, warum Werte an der Wand verstauben. Für den Anfang reicht es, wenn jeder einmal den kostenlosen Wertetest macht und ihr die Ergebnisse nach den vier Typen sortiert.
Kurz: So findet ihr eure Werte mit dem Team
Meine Methode läuft von unten nach oben. Erst die einzelnen Menschen, dann das Team. So geht's Schritt für Schritt:
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Jeder sortiert erst für sich. Mit Wertekarten oder einem Wertetest legt jeder seine wichtigsten Werte fest, bevor überhaupt diskutiert wird. Sonst reden die Lautesten, und am Ende stehen deren Werte auf dem Plakat. Ist die Stimmung im Team angespannt, sammelt die Ergebnisse anonym ein.
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Alles an die Wand. Jeder hängt seine drei bis fünf wichtigsten Werte auf. Raus kommt eine bunte Wolke aus vielen Begriffen, und das ist völlig okay so.
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Schnittmenge und Reibung anschauen. Was taucht bei fast allen auf? Und welcher Wert steht bei einer Person ganz oben, bei einer anderen gar nicht? Die Unterschiede sind das Spannende. Hinter mancher Reibung im Alltag steckt so ein Unterschied.
Danach clustert ihr ähnliche Begriffe, schreibt in Kleingruppen zu jedem Cluster den „heißt bei uns“-Satz und prüft ihn mit dem Filtertest.
Ein Tipp, falls du moderierst: Halt dich beim Clustern und beim Benennen raus, so gut es geht. Sobald du einen Oberbegriff vorschlägst, ist es deiner. Das Team muss sich an den Begriffen reiben, das ist die eigentliche Arbeit.
Wie so ein Workshop im Detail abläuft, steht in Teamwerte Workshop Methode richtig nutzen. Wer am Ende entscheidet und wie ihr Werte im Unternehmen verankert, liest du in Werte im Unternehmen definieren. Und weil Werte nur so weit tragen, wie die Führung sie vorlebt: Wie werteorientierte Führung Vertrauen stärkt.
Für Schritt eins und drei braucht ihr nicht viel. Mit dem Team Set erspielt ihr eure Teamwerte direkt am Tisch. Wenn du Werteprozesse in Firmen begleitest, ist Value Awareness dein Werkzeugkasten. Und wenn ihr das nicht allein machen wollt, kommen wir mit einem Werte-Workshop zu euch.
Häufige Fragen
Was ist die Definition von Unternehmenswerten?
Unternehmenswerte sind die Werte, nach denen eine Firma entscheidet und handelt. Sie bestehen aus einem Begriff wie Verantwortung oder Respekt und einer Beschreibung, wie dieser Wert im Alltag aussieht. Ohne diese Beschreibung bleibt der Begriff offen für jede Deutung.
Welche Unternehmenswerte sind wichtig?
Wichtig sind die Werte, die eure Leute wirklich teilen. Eine allgemeingültige Liste gibt es nicht. In unserer Studie stehen Zuverlässigkeit und Respekt bei den Befragten weit oben, Innovation eher hinten. Was bei euch zählt, findet ihr am schnellsten raus, wenn jeder zuerst seine eigenen Werte sortiert.
Kann man Unternehmenswerte von anderen Firmen übernehmen?
Die Begriffe vielleicht, die Sätze dahinter nicht. Wer Werte abschreibt, bekommt ein sauberes Dokument, in dem sich keiner wiedererkennt. Nehmt fremde Beispiele als Anregung und formuliert dann selbst, was der Wert bei euch heißt.
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