Verantwortung bedeutet, dass du zu deinem Handeln stehst und dich um die Dinge kümmerst, die in deiner Hand liegen. Als Wert heißt das: Wenn etwas schiefläuft, guckst du zuerst, was du selbst beitragen kannst, und schiebst es keinem anderen zu. Verordnen kann dir das niemand. Du entscheidest dich jedes Mal selbst dafür.

Wertetyp Veränderung · BlauPlatz 15 der Wertestudie
Verantwortung, Illustration von Cynthia aus der Limited Edition
So hat Cynthia Verantwortung für unsere Limited Edition gezeichnet.
So schauen wir im Valueverse auf Werte

Im Valueverse geben wir nicht vor, was ein Wert bedeutet. Jeder Mensch füllt Verantwortung auf seine eigene Weise und gewichtet sie anders. Weil Orientierung trotzdem hilft, steht hier unsere Deutung: eine bewusst allgemeine Bedeutung von Verantwortung im Valueverse-Modell. Darum lohnt sich das Gespräch: Was heißt Verantwortung für dich, und was für dein Gegenüber?

In einer Gemeinschaft, also in der Familie, im Team oder in der Firma, braucht ein gemeinsamer Wert einen Satz, der für alle gilt. Zum Beispiel: „Verantwortung heißt bei uns: Wer etwas zusagt, meldet sich rechtzeitig, wenn es nicht klappt.“ Für dich allein darf Verantwortung trotzdem etwas anderes bedeuten.

Wertekarte Verantwortung
Die Wertekarte Verantwortung

Was bedeutet Verantwortung?

Im Wort steckt „antworten“. Wer Verantwortung hat, kann Antwort geben, wenn jemand fragt: Warum hast du das so gemacht? Ich mag dieses Bild, weil es zeigt, dass Verantwortung in zwei Richtungen geht. Du stehst für das ein, was passiert ist. Und du kümmerst dich um das, was noch kommt.

Bei Google wird oft gefragt, was der Unterschied zwischen Verantwortung tragen und Verantwortung übernehmen ist. Verantwortung tragen hast du durch deine Rolle, etwa als Mutter oder als Teamleiterin. Die hast du, ob du willst oder nicht. Verantwortung übernehmen ist ein aktiver Schritt. Du sagst „ich kümmer mich“, obwohl dich keiner gefragt hat. Als persönlicher Wert meint Verantwortung vor allem diesen zweiten Teil.

In unserer Werteliste stehen außerdem zwei Nachbarn, die leicht verwechselt werden:

Verant­wortung

Wertetyp

Veränderung (Blau)

Worum es geht

für dich und für Dinge oder Menschen einstehen, die dir wichtig sind

Eigen­verant­wortung

Wertetyp

Sicherheit (Orange)

Worum es geht

dein eigenes Leben selbst in die Hand nehmen

Pflicht­gefühl

Wertetyp

Beziehung (Pink)

Worum es geht

Aufgaben erledigen, weil andere auf dich zählen

Am deutlichsten wird der Unterschied bei Eigenverantwortung. Die gibt dir Boden unter den Füßen, deshalb steht sie bei Sicherheit. Verantwortung geht über dich hinaus und will, dass sich etwas bewegt.

Verantwortung im Valueverse-Modell, von oben und von der Seite
Jeder Punkt ist ein Wert aus dem Valueverse-Modell, jede Farbe ein Wertetyp. Von oben liegt Verantwortung im blauen Bereich der Veränderung, nah an der Mitte und schon in Richtung Beziehung. Von der Seite sitzt sie weit unten, nah am Kern. In der Seitenansicht liegt Sicherheit links und Veränderung rechts. Gestrichelt verbunden ist Unabhängigkeit, ein Wert, der im Modell weit von Verantwortung entfernt liegt.
Wertetyp: Veränderung, Farbe Blau

Verantwortung im Valueverse-Modell

Das Wachstum: alles, was dich vorwärtsbringt und wachsen lässt.

Jeder Wert hat im Valueverse seinen Platz in einem von vier Wertetypen. Dass Verantwortung bei Blau steht, überrascht viele. Verantwortung klingt nach Pflicht, und Pflicht klingt nach Stillstand. Ich sehe das anders. Da liegt ein Problem auf dem Tisch, alle gucken weg, und dann sagt einer: Okay, ich mach das. Ab diesem Moment verändert sich was. Alle Werte dieses Typs, Verantwortung eingeschlossen, findest du auf der Seite Werte der Veränderung.

Ein einzelner Wert ist bei uns nie das ganze Bild. Dein V-Code zeigt die persönliche Mischung deiner wichtigsten Werte, mit Lebenswert, Superkräften und Grundwerten. Verantwortung kann darin eine Superkraft sein, aus der du richtig Energie ziehst. Sie kann aber auch ein Grundwert sein, der einfach da sein muss, damit du dich wohlfühlst.

Im Kontrast: Unabhängigkeit

Wertekarte Verantwortung

Verantwortung

vs.
Wertekarte Unabhängigkeit

Unabhängigkeit

Unabhängigkeit liegt im Modell weit weg von Verantwortung, im Bild ist sie gestrichelt verbunden. Verantwortung sitzt weit unten, nah am Kern, Unabhängigkeit ganz oben im grünen Feld der Erfüllung. Verantwortung bindet dich an Menschen und Aufgaben. Unabhängigkeit will sich von niemandem abhängig machen.

Treffen zwei Menschen mit diesen Werten aufeinander, kommen sie sich schnell in die Quere. Der eine kümmert sich um Elternabend, Steuer und den Geburtstag der Schwiegermutter. Die andere will sich nicht festlegen und hält sich die Wochenenden frei. Er findet sie unzuverlässig, sie findet ihn eingesperrt in Pflichten. Was dich am anderen nervt, ist oft einfach ein Wert, der weit von deinem weg liegt.

Verhandelt ihr die beiden Werte, statt euch gegenseitig zu erziehen, kann daraus richtig was Gutes werden. Bei Sicherheit und Freiheit sagen wir: sichere Freiheit, freie Sicherheit. Hier wäre das eine Verantwortung, die du freiwillig übernimmst und die dich nicht auffrisst. Und eine Unabhängigkeit, die trotzdem für ihre Zusagen geradesteht.

Woran du Verantwortung im Alltag erkennst

Verantwortung heißt für viele auch, mit anzupacken, wenn andere Hilfe brauchen.

In der Familie

Stell dir vor, im Kinderzimmer geht eine Lampe zu Bruch. Für dein Kind heißt Verantwortung erst mal, hinzugehen und zu sagen: Das war ich. Für dich als Mutter oder Vater ist es oft der schwerere Teil, das Aufräumen dann auch dem Kind zu überlassen. Kindern kannst du Verantwortung gut an etwas Lebendigem erklären. Wenn du die Pflanze auf deiner Fensterbank nicht gießt, gießt sie keiner. Mehr dazu, wie Werte bei Kindern ankommen, steht im Artikel Kindern Werte vermitteln.

In Partnerschaft und Freundschaft

Hier zeigt sich Verantwortung, wenn du einen Fehler zugibst, ohne direkt drei Erklärungen nachzuschieben. Oder wenn ein Freund sich seit Wochen nicht meldet und du von dir aus anrufst. Für sein Glück bist du nicht zuständig. Für dein Verhalten in dieser Freundschaft schon.

Im Job

Stell dir ein Meeting vor, in dem ein Projekt gegen die Wand gefahren ist. Alle starren auf die Folien, keiner sagt was. Wer Verantwortung als Wert hat, hält diese Stille kaum aus und sagt irgendwann: Das war auch mein Teil, und so machen wir weiter. Das Gegenstück dazu heißt Verantwortungsdiffusion. In einer Gruppe fühlt sich jeder ein bisschen weniger zuständig, weil ja noch die anderen da sind. Wie Führungskräfte damit umgehen können, beschreibe ich im Artikel über werteorientierte Führung.

Value Awareness
Für Teams und Führung

Value Awareness

Wer übernimmt im Team wofür Verantwortung? Mit Value Awareness klärt ihr das über eure Werte statt über Zuständigkeiten. Im Deck stecken 100 Wertekarten, dazu gibt es über 30 Anleitungen, vom Teamworkshop bis zum Mitarbeitergespräch.

Ein paar kleine Beispiele, wie Verantwortung übernehmen im Alltag aussieht:

  • Du meldest einen Fehler selbst, bevor ihn jemand findet.
  • Bei einer neuen Aufgabe sagst du klar „das übernehme ich“ und auch, bis wann.
  • Kannst du eine Zusage nicht halten, gibst du rechtzeitig Bescheid.
  • Du kümmerst dich um den alten Nachbarn, wenn du merkst, dass er Hilfe braucht.
Die Kehrseite

Wenn Verantwortung kippt

Die Schattenseite wächst aus genau der Stärke, die Verantwortung so wertvoll macht. Bei Verantwortung ist es die Überverantwortung. Du merkst sie daran, dass du abends müde bist von Dingen, die gar nicht deine waren. Du hast die Präsentation der Kollegin überarbeitet und den Streit zwischen den Geschwistern geschlichtet, bevor die zwei es selbst probieren konnten.

Das Fiese daran: Von außen sieht das aus wie ein besonders gut gelebter Wert. Von innen fühlt es sich an wie ein Rucksack, der jeden Tag schwerer wird. Und die anderen lernen dabei nichts, weil du ihnen die Erfahrung abnimmst, an der sie wachsen würden.

Ein guter Test: Frag dich bei der nächsten Sache, die du an dich ziehst, wem sie eigentlich gehört. Manchmal ist es die verantwortungsvollste Antwort, sie zurückzugeben.

Wertestudie, 1.000 Befragte

Was die Studie sagt

#15
von 32 Werten
1,94
Mittelwert (1 = sehr wichtig)

Für die Wertestudie haben 1.000 Menschen in Deutschland 32 Werte bewertet, auf einer Skala von 1 bis 5. Die 1 heißt „sehr wichtig“, die 5 heißt „spielt keine Rolle“. Verantwortung landet auf Platz 15 mit einem Mittelwert von 1,94. Das ist solides Mittelfeld, ganz oben stehen Gesundheit und Familie. Frauen setzen Verantwortung auf Platz 14, Männer auf Platz 13.

Spannend finde ich die Jüngsten. Bei den unter 20-Jährigen kommt Verantwortung auf Platz 11 und schafft es damit in die Top 12. In den Top 12 der anderen Altersgruppen taucht sie nicht auf. Und in der Auswertung steht, dass der Klimawandel ein Umdenken bei Werten wie Nachhaltigkeit und Verantwortung verlangt.

Ist Verantwortung einer deiner Werte?

Nimm dir kurz Zeit für diese Fragen und hör auf dein erstes Bauchgefühl:

  • Wirst du unruhig, wenn eine Aufgabe herumliegt und sich keiner zuständig fühlt?
  • Sagst du eher „ich kümmer mich drum“ als „wer war das“?
  • Fällt es dir schwer, Dinge abzugeben, obwohl andere sie gut machen würden?
  • Ärgert es dich mehr, wenn jemand einen Fehler versteckt, als wenn er ihn macht?

Wenn du bei zwei oder mehr Fragen innerlich Ja gesagt hast, lohnt sich ein genauerer Blick. Ein erster kleiner Einblick ist der Werte-Schnell-Test, der dauert keine Minute. Lieber Karten in der Hand? Dann nimm Das WERTvollste Spiel der Welt. Da sortierst du in Duellen, bis acht Werte übrig sind, und siehst, wo Verantwortung bei dir landet.

Das WERTvollste Spiel der Welt
Verantwortung liegt in diesem Spiel

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Häufige Fragen

Was ist Verantwortung einfach erklärt?

Verantwortung heißt, dass du für das geradestehst, was du tust, und dich um das kümmerst, was in deiner Hand liegt. Wenn etwas schiefgeht, versteckst du dich nicht, du sagst: Das war ich, und ich helfe mit, es wieder hinzukriegen.

Was bedeutet Verantwortung übernehmen?

Verantwortung übernehmen heißt, dass du dich aktiv für etwas zuständig erklärst, auch wenn es dir niemand aufgetragen hat. Verantwortung tragen beschreibt dagegen eher die Rolle, die du sowieso hast, etwa als Elternteil oder als Führungskraft.

Warum ist Verantwortung wichtig?

Weil sonst vieles einfach liegen bleibt. In jeder Familie und in jedem Team gibt es Dinge, die keinem gehören, bis sich jemand zuständig fühlt. Dazu kommt das Vertrauen: Wer sieht, dass du zu deinen Fehlern stehst, verlässt sich eher auf dich.

Was ist Verantwortungsdiffusion?

Verantwortungsdiffusion beschreibt, dass sich Menschen in einer Gruppe weniger zuständig fühlen als allein. Jeder denkt, ein anderer wird schon handeln. Du kennst das vielleicht aus dem Gruppenchat, in dem eine Frage tagelang unbeantwortet bleibt. Dagegen hilft, eine Aufgabe einer bestimmten Person zuzuordnen.