Familienwerte: Beispiele und wie ihr eure findet

Familienwerte mit Beispielen, Zahlen aus unserer Wertestudie und eine konkrete Spielweise, mit der ihr als Familie eure gemeinsamen Werte findet.
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Familie spricht am Küchentisch mit Wertekarten über ihre Familienwerte

Familienwerte sind die Werte, die euch als Familie wichtig sind und euren Alltag miteinander prägen. Typische Beispiele sind Vertrauen, Ehrlichkeit, Respekt, Zuverlässigkeit, Zugehörigkeit, Humor oder Tradition. Eure eigenen Familienwerte findet ihr am besten, wenn erst jeder für sich wählt und ihr danach gemeinsam anschaut, was ihr teilt und was euch unterscheidet.

Familie ist für die meisten Menschen in Deutschland einer der wichtigsten Werte überhaupt. Trotzdem redet kaum eine Familie darüber, was ihr gemeinsam wichtig ist. Gestritten wird über Geschirr, Termine und Handyzeiten. Darunter liegt fast immer ein Wertekonflikt, den keiner benennen kann. Unten findest du Beispiele und ein paar Zahlen aus unserer Studie. Danach kommt eine Spielweise, mit der ihr eure Familienwerte an einem Abend auf den Tisch legt.

Was sind Familienwerte?

Familienwerte sind Werte, die ihr miteinander teilt oder die ihr als Familie leben wollt. Manche sind schon lange da, ohne dass sie je einer ausgesprochen hat. Andere bringt jeder Einzelne mit, und die passen nicht immer zusammen.

Familie ist dabei selbst auch ein Wert. In unserer Werteliste beschreiben wir ihn so: Die Menschen, die dir am nächsten sind, egal ob verwandt oder gewählt. Für manche ist Familie der Lebenswert, der über allem steht. Für andere ist sie eine Leitplanke, also ein Grundwert, der einfach da sein muss.

Und dann gibt es Werte, die wir aus der Familie mitnehmen, ohne sie je geprüft zu haben. „Familie geht über alles“ ist so ein Klassiker. In der Anleitung zu unserem Wertespiel steht deshalb diese Frage: Ist ein Wert wirklich dein Wert, oder der deiner Eltern, deines Partners oder deiner Freunde? Die lohnt sich, ehrlich.

Familienwerte Beispiele aus unserer Werteliste

Hier eine Auswahl aus unserer Werteliste mit über 200 Werten, die in Familien oft eine Rolle spielen. Dazu jeweils der kurze Anker, mit dem wir das Wort aufschließen:

  • Vertrauen: Dich auf andere verlassen können. Loslassen und darauf bauen, dass es gut wird.
  • Ehrlichkeit: Die Wahrheit sagen, auch wenn es unbequem ist. Echt sein.
  • Respekt: Andere so behandeln, wie du behandelt werden möchtest. Auch wenn ihr unterschiedlich seid.
  • Zuverlässigkeit: Halten, was du versprichst. Jemand sein, auf den andere zählen können.
  • Fürsorglichkeit: Für andere sorgen. Da sein und aufpassen, dass es den Menschen um dich gut geht.
  • Zugehörigkeit: Teil einer Gemeinschaft sein. Irgendwo dazugehören.
  • Humor: Lachen können, über die Welt und über dich selbst.
  • Tradition: Bräuche und Werte weitergeben, die dir und deiner Familie wichtig sind.
  • Verzeihen: Alten Groll loslassen. Jemandem noch eine Chance geben, auch dir selbst.
  • Toleranz: Andere Meinungen und Lebensweisen akzeptieren, auch wenn sie anders sind als deine.

Weitere Werte, die in Familien oft auftauchen: Treue, Geselligkeit, Gemütlichkeit, Heimat, Nachkommen, Rücksichtnahme, Verbundenheit, Sicherheit und Dankbarkeit. Auch Freiheit und Unabhängigkeit gehören in viele Familien. Wenn zwei in der Familie Freiheit und Sicherheit ganz unterschiedlich gewichten, wird's spannend, dazu gleich mehr.

Wie wichtig ist Familie den Deutschen? Das sagt die Studie

Für „Die WERTvollste Studie Deutschlands“ haben wir 1.000 Menschen nach ihren Werten gefragt, 500 Frauen und 500 Männer. Ausgewertet hat Prof. Dr. Hans-Peter Erb. Familie landet bundesweit auf Platz 2, direkt hinter Gesundheit. 61 % der Befragten finden Familie „sehr wichtig“.

Beim Blick auf die Regionen wird es richtig interessant. In Ostdeutschland ist Familie der wichtigste Wert überhaupt, 70,3 % finden ihn dort sehr wichtig. In Westdeutschland sind es 58,6 %, da steht Familie auf Platz 3 hinter Gesundheit und Gerechtigkeit. Die Befragten kamen aus acht von sechzehn Bundesländern, das ist also eine Tendenz und kein Urteil über einzelne Familien.

Auch das Alter macht einen Unterschied. Bei den 20- bis 39-Jährigen und bei den 40- bis 59-Jährigen steht Familie auf Platz 2. Die unter 20-Jährigen setzen Familie auf Platz 3, da liegen Loyalität und Treue noch davor. Und bei den 60- bis 79-Jährigen rutscht Familie auf Platz 5. Dort stehen Gesundheit, Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit und Treue vorne. Alle Ergebnisse findest du auf der Seite Die Werte der Deutschen.

Werte in der Familie früher und heute

Wie Familien vor fünfzig Jahren über Werte gedacht haben, kann ich dir mit unseren Zahlen nicht sagen. Was die Studie aber zeigt: Werte sind nicht statisch. Sie entwickeln sich, und jede Altersgruppe setzt ihre eigenen Schwerpunkte. Wenn Großeltern, Eltern und Kinder an einem Tisch sitzen, liegen da also ziemlich sicher unterschiedliche Wertekompasse auf dem Tisch, auch wenn alle Familie wichtig finden.

Reibung entsteht meistens da, wo der Wert des einen dem anderen wehtut, ohne dass es einer will. Stell dir vor, deinem Vater ist Sicherheit sehr wichtig und deiner Tochter Freiheit. Er fragt dreimal nach, wann sie nach Hause kommt, und sie fühlt sich kontrolliert. Sie antwortet knapp, und er fühlt sich übergangen. Beide haben einen guten Grund, und keiner sagt ihn laut.

Im Valueverse hat jeder Wert eine helle Seite und einen Schatten. Beim Vater zeigt sich der Schatten von Sicherheit vielleicht als Kontrolle, bei der Tochter der Schatten von Freiheit als Rückzug. Wenn beide das von sich wissen, reden sie anders miteinander. Dann hilft die Frage, wie viel Platz jeder der beiden Werte in eurem Familienleben bekommen soll. Aus Freiheit und Sicherheit wird so vielleicht sichere Freiheit. Oder freie Sicherheit. Probiert beide Richtungen aus, ihr merkt selbst, welche stimmt. Wie du solche Konflikte früh erkennst, steht in Wertekonflikte erkennen und lösen.

So findet ihr eure Familienwerte mit dem Wertespiel

Viele Menschen kaufen unser Spiel aus diesem Grund. In unserer Käuferumfrage spielt gut ein Drittel privat mit Familie, Partner oder Freunden. Und wer das tut, sucht oft tiefere Gespräche, die der Alltag nicht hergibt. Jemand, der unsere Core Values gekauft hat, schrieb uns: „Bringt Themen hoch, über die man sonst nie sprechen würde.“

Für die Familienrunde nehmt ihr Das WERTvollste Spiel der Welt und kombiniert die Spielregeln mit dem Ablauf aus unserer Anleitung für Paare und Familien. Plant etwa 60 bis 90 Minuten ein.

  1. Jeder wählt für sich. Mischt das Deck und schaut jede Karte einzeln an. Entscheidet spontan aus dem Bauch heraus: wichtige Werte nach links, die übrigen nach rechts auf den Ablagestapel. Habt ihr zwei Spiele, geht das gleichzeitig, sonst nacheinander. Setzt euch so, dass keiner die Auswahl der anderen sieht. Sonst wird sortiert, was gut ankommt.
  2. Reduzieren. Zieht immer zwei Karten und legt sie nebeneinander. Welcher Wert ist dir im Vergleich wichtiger? Im normalen Spiel landest du am Ende bei acht Werten, für die Familienrunde reichen fünf bis sechs pro Person. Solange gewählt wird, kommentiert keiner.
  3. Gemeinsam aufdecken. Legt eure Reihen untereinander, dann schaut ihr zusammen auf ein Bild. Wenn ihr sie euch gegenüberlegt, fühlt es sich schnell wie ein Duell an. Dann erzählt jeder zu seinen Karten eine echte Situation aus seinem Leben.
  4. Die Schnittmenge. Fangt mit den Werten an, die bei mehreren von euch liegen. Wann habt ihr die zuletzt gemeinsam gelebt? Das ist euer Boden, und der wird im Streit gerne vergessen.
  5. Die Unterschiede. Jetzt kommen die Werte, die nur bei einem liegen. Hier geht es erst mal ums Verstehen, verhandelt wird später. Fragt euch: Was bedeutet dieser Wert für dich? Woran merkst du, dass er erfüllt ist? Und dann die mutigste Frage: Wo hat mein Wert dir schon mal wehgetan, ohne dass ich es wollte?
  6. Ein Satz für euch. Sucht euch den einen Unterschied raus, an dem es am meisten reibt. Baut daraus einen Kombiwert wie sichere Freiheit, oder verabredet einen einzigen Satz, wie beide Werte vorkommen können. Ein Regelwerk braucht ihr dafür nicht.

Am Ende liegt eine Schnittmenge auf dem Tisch, an die sich alle erinnern können, und der Unterschied, an dem es reibt, hat jetzt einen Namen. Wie ihr das Gespräch danach im Alltag lebendig haltet, steht in So lassen sich Wertegespräche im Alltag integrieren. Und wenn ihr erst mal zu zweit als Paar starten wollt, schau in Wertearbeit für Paare, die wirklich weiterbringt.

Eure V-Codes nebeneinander: der Familienkompass

Nach dem Aufdecken lohnt sich noch ein zweiter Blick. Bei uns gehört jeder Wert zu einem von vier Wertetypen, Sicherheit, Beziehung, Veränderung und Erfüllung, jeder mit seiner Farbe. Welche Mischung bei einem Menschen rauskommt, zeigt sein V-Code. Sortiert ihr eure Reihen nach diesen Typen, seht ihr Dinge, die beim reinen Kartenvergleich durchrutschen.

Stell dir eine Familie vor. Der Vater hat Ordnung und Zuverlässigkeit gelegt, die Mutter Stabilität. Keine einzige Karte ist gleich, und trotzdem treffen sich die beiden, denn alle drei Werte stehen in unserer Werteliste bei Sicherheit. Die Tochter bringt Abenteuer und Freiheit mit, das ist Erfüllung. Beim Sohn liegt Neugier, ein Wert der Veränderung. Plötzlich versteht man, warum am Esstisch immer wieder dasselbe Gespräch läuft. Die Eltern halten das Fundament zusammen, die Kinder wollen raus in die Welt. Recht haben dabei alle, ihr ergänzt euch einfach.

Guckt auch, welche Farbe bei keinem von euch auftaucht. Das ist kein Drama, aber oft eine richtig gute Frage für den nächsten Abend.

Aus diesem Bild baut ihr euren gemeinsamen Familienkompass, also Werte, die ihr zusammen aussucht und zusammen mit Leben füllt. Mein Tipp: Nehmt zuerst die Werte aus eurer Schnittmenge und holt dann aus jeder Farbe, die bei einem von euch stark ist, einen Wert dazu. Dann hat die Abenteuerlust der Tochter genauso ihren Platz wie die Ordnung vom Vater. Hängt den Kompass an den Kühlschrank und schaut in einem halben Jahr wieder drauf. Wer vorher erst mal für sich allein gucken will, findet seinen V-Code im kostenlosen Wertetest.

Wenn Kinder mitspielen

In unserer Anleitung für Coaches, die mit Paaren und Familien arbeiten, stehen dazu zwei Anpassungen. Mit Kindern klappt das ab etwa zehn Jahren. Nehmt weniger Karten, dreißig bis vierzig reichen, und lest unbekannte Wörter gemeinsam vor. Lasst die Kinder zuerst legen, sonst orientieren sie sich an den Eltern. Und erwartet keine Vereinbarung. Es reicht völlig, wenn ihr Eltern versteht, was eurem Kind wichtig ist. Das allein kann den Ton zu Hause schon verändern.

Häufige Fragen

Welche Familienwerte gibt es?

Grundsätzlich kann jeder Wert ein Familienwert sein, wenn er euch gemeinsam wichtig ist. Häufig sind es Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Respekt, Zuverlässigkeit, Zugehörigkeit, Humor oder Tradition. In unserer Werteliste findest du über 200 Werte zum Stöbern.

Wie wichtig ist Familie den Deutschen?

Sehr wichtig. Unsere Studie mit 1.000 Befragten zeigt Familie auf Platz 2 hinter Gesundheit, 61 % nennen sie sehr wichtig. In Ostdeutschland sind es 70,3 %, in Westdeutschland 58,6 %.

Was tun, wenn wir in der Familie ganz unterschiedliche Werte haben?

Das ist normal und erst mal kein Problem. Bei uns geht es nie um die Frage, wer zu wem passt. Wer die Werte des anderen kennt, versteht ihn schneller. Hört einander zuerst zu, bevor ihr etwas aushandelt, und sucht dann einen Kombiwert oder einen gemeinsamen Satz. Wenn ein Konflikt sehr festgefahren ist, kann eine Begleitung durch einen Coach oder eine Familienberatung sinnvoll sein.

Mehr zum Thema: Alles zu Werte und ihre Bedeutung findest du auf unserer Themenseite.

Geschrieben von Hendrik Martens, Systemischer Business Coach und Erfinder des Valueverse.