Respekt, Illustration von Cynthia aus der Limited Edition
So hat Cynthia Respekt für unsere Limited Edition gezeichnet.

So schauen wir im Valueverse auf Werte

Im Valueverse geben wir nicht vor, was ein Wert bedeutet. Jeder Mensch füllt Respekt auf seine eigene Weise und gewichtet ihn anders. Weil Orientierung trotzdem hilft, steht hier unsere Deutung: eine bewusst allgemeine Bedeutung von Respekt im Valueverse-Modell. Darum lohnt sich das Gespräch: Was heißt Respekt für dich, und was für dein Gegenüber?

In einer Gemeinschaft, also in der Familie, im Team oder in der Firma, braucht ein gemeinsamer Wert einen Satz, der für alle gilt. Zum Beispiel: „Respekt heißt bei uns: Wir lassen einander ausreden, gerade wenn wir anderer Meinung sind.“ Für dich allein darf Respekt trotzdem etwas anderes bedeuten.

Wertekarte Respekt
Die Wertekarte Respekt

Respekt bedeutet, jeden Menschen als gleichwertig zu behandeln, auch wenn er anders denkt oder anders lebt als du. Du achtest seine Grenzen und machst ihn nicht klein, auch dann nicht, wenn ihr euch streitet. Als Wert heißt das: Ein fairer Umgang ist dir wichtig, ganz egal, wer dir gegenübersteht.

In unserer Wertestudie landet Respekt bei 1.000 Befragten auf Platz 6 von 32 Werten. Ein Nischenthema ist das also nicht. Trotzdem meinen Menschen mit Respekt erstaunlich verschiedene Dinge, und es lohnt sich, da mal hinzuschauen.

Was bedeutet Respekt?

Das Wort kommt vom lateinischen „respectus“, und das heißt so viel wie Zurückschauen oder Rücksicht. Respekt heißt also ursprünglich, noch einmal hinzusehen, bevor du über jemanden urteilst. Ich mag dieses Bild.

Im Alltag stecken in dem Wort zwei Bedeutungen. Zum einen der Grundrespekt, den jeder Mensch verdient, einfach weil er ein Mensch ist. Den muss sich niemand erarbeiten. Zum anderen der Respekt für eine Leistung, etwa wenn wir sagen: „Großen Respekt, dass du das durchgezogen hast.“ Und dann gibt es noch den Respekt vor etwas, vor dem Chef, vor der Prüfung, vor einem großen Hund. Da schwingt Vorsicht mit, manchmal auch ein Stück Angst. Diese Spielart wird weiter unten noch wichtig.

Respekt und Wertschätzung: der Unterschied

Respekt ist der Boden. Du bringst ihn jedem entgegen, auch Menschen, die du nicht magst oder deren Meinung du falsch findest. Wertschätzung geht einen Schritt weiter. Du siehst, was jemand konkret tut oder wer er ist, und zeigst ihm das. Respekt kannst du auch jemandem geben, den du kaum kennst, für Wertschätzung musst du hinschauen. Im Valueverse-Modell landen die zwei übrigens bei unterschiedlichen Typen: Respekt bei der Sicherheit, Wertschätzung bei der Beziehung.

Respekt und Toleranz

Toleranz heißt, dass du etwas aushältst, das dir nicht passt. Respekt geht weiter, weil du den anderen dabei ernst nimmst und ihn nicht bloß erträgst. Tolerieren kann man auch mit verschränkten Armen. Respektieren eher nicht.

Respekt im Valueverse-Modell

Wertetyp: Sicherheit, Farbe Orange. Das Fundament. Werte, die für Ordnung und Halt sorgen und auf die man sich verlassen kann.

Viele würden Respekt aus dem Bauch heraus zur Beziehung packen. Im Valueverse-Modell gehört er zum Wertetyp Sicherheit, einem von vier Wertetypen. Für mich ergibt das Sinn. Respekt ist eine Grundregel, auf die sich alle verlassen können, egal wie gut man sich gerade versteht. Er hält auch dann, wenn es zwischen zwei Menschen ordentlich knirscht. Wo Respekt kippt und wie er im Alltag aussieht, steht auch bei den Werten der Sicherheit.

Steht Respekt in deinem V-Code, ist er einer der Werte, aus denen du Energie holst. Wer Respekt weit oben hat, fühlt sich oft da wohl, wo alle fair behandelt werden, und es zieht ihn runter, wenn jemand von oben herab redet.

Respekt im Valueverse-Modell, von oben und von der Seite
Jeder Punkt ist ein Wert aus dem Valueverse-Modell, jede Farbe ein Wertetyp. Von oben liegt Respekt im orangen Bereich der Sicherheit, auf halbem Weg nach außen und in Richtung Beziehung. Von der Seite sitzt er etwa auf mittlerer Höhe. In der Seitenansicht liegt Sicherheit links und Veränderung rechts. Gestrichelt verbunden ist Individualität, ein Wert, der im Modell weit von Respekt entfernt liegt.

Im Kontrast: Individualität

Individualität liegt im Modell weit weg von Respekt, im Bild ist sie gestrichelt verbunden. Respekt sitzt im orangen Feld der Sicherheit, Individualität ganz draußen im Grün der Erfüllung. Respekt achtet Rollen, Regeln und den anderen. Individualität will anders sein dürfen, auch wenn das aneckt.

Im Team merkst du das schnell. Die eine fragt erst, wie man das hier macht. Der andere macht es so, wie er es für richtig hält, und wundert sich über den Ärger. Für sie ist sein Vorgehen respektlos, für ihn ist ihres Anpassung bis zur Unsichtbarkeit.

Verhandelt ihr die beiden Werte miteinander, statt einen davon gewinnen zu lassen, entsteht etwas Neues. Bei Sicherheit und Freiheit sagen wir: sichere Freiheit, freie Sicherheit. Hier wäre das ein Respekt, der Eigenheiten zulässt, und eine Individualität, die andere dabei nicht klein macht. In Teams ist das oft der Punkt, an dem gute Ideen überhaupt erst gehört werden.

Woran du Respekt im Alltag erkennst

In der Familie

Kinder lernen Respekt vor allem daran, wie sie selbst behandelt werden. Stell dir vor, du klopfst an die Zimmertür deiner Tochter, bevor du reingehst. Oder du lässt es gelten, wenn dein Sohn der Tante nicht um den Hals fallen will. Das sind Kleinigkeiten. Sie zeigen einem Kind aber, dass seine Grenzen zählen, und wer das erlebt, versteht schneller, warum die Grenzen der anderen auch zählen.

In Partnerschaft und Freundschaft

Respektloses Verhalten in einer Beziehung ist oft leise. Augenrollen, wenn der andere redet. Ihn vor Freunden korrigieren. Über ihn lästern, wenn er nicht dabei ist. Entscheidungen treffen, die beide betreffen, ohne zu fragen. Respekt zeigt sich umgekehrt daran, dass ein Nein stehen bleiben darf, ohne dass es ausdiskutiert werden muss.

Bei der Arbeit und in der Schule

Im Job zeigt sich Respekt daran, ob jemand mit der Azubine genauso redet wie mit der Geschäftsführerin. Auch Pünktlichkeit ist eine Form davon, weil du die Zeit der anderen ernst nimmst. In vielen Klassen steht Respekt irgendwo auf dem Plakat mit den Regeln. Damit es mehr wird als ein Wort an der Wand, hilft es, gemeinsam zu klären, was die Klasse darunter versteht. Wie das gehen kann, steht im Artikel über Klassenregeln mit Wertedialog.

Kinder zeigen auf Wertekarten an der Wand und klären gemeinsam, was Respekt in ihrer Klasse bedeutet

Wenn Respekt kippt

Erinnerst du dich an den Respekt vor etwas von weiter oben? Da wohnt der Schatten. Respekt kippt in Ehrfurcht, wenn du jemanden so weit über dir siehst, dass du dich nicht mehr traust, ihm etwas Unbequemes zu sagen. Der Chef macht einen Fehler, alle sehen es, und keiner sagt was. Alle bleiben höflich, und der Fehler läuft weiter.

Der Schatten hat noch eine zweite Seite. Manche Menschen verlangen Respekt und meinen damit, dass sich andere unterordnen. Dann wird Respekt zur Einbahnstraße, die nur nach oben führt. So ein Schatten ist im Valueverse-Modell kein Makel. Jeder Wert hat einen, und es hilft, den eigenen zu kennen. Wenn du merkst, dass du vor lauter Respekt verstummst, ist das ein gutes Zeichen, dir ein bisschen Mut dazuzuholen.

Was die Studie über Respekt sagt

Für „Die WERTvollste Studie Deutschlands“ wurden im August 2023 insgesamt 1.000 Menschen befragt, je zur Hälfte Frauen und Männer. Jeder der 32 Werte bekam eine Note von 1 (sehr wichtig) bis 5 (spielt keine Rolle). Respekt landet in der Gesamtwertung auf Platz 6. Mehr als die Hälfte der Befragten hat ihn als sehr wichtig eingestuft.

Auffällig ist, wie stabil der Wert über die Generationen ist. In jeder Altersgruppe liegt Respekt zwischen Platz 5 und Platz 7, bei den unter 20-Jährigen genauso wie bei den 60- bis 79-Jährigen. Einen Unterschied gibt es zwischen den Geschlechtern: Frauen setzen Respekt auf Platz 5, Männer auf Platz 8. Die komplette Auswertung mit allen 32 Werten steht unter Die Werte der Deutschen.

Ist Respekt einer deiner Werte?

Beantworte diese Fragen ehrlich für dich:

  • Wie geht es dir, wenn jemand die Bedienung im Restaurant von oben herab behandelt?
  • Kannst du jemanden respektieren, dessen Meinung du für falsch hältst?
  • Wo forderst du Respekt ein, und wo gibst du ihn, ohne darüber nachzudenken?
  • Wann hast du zuletzt aus Respekt geschwiegen, obwohl du eigentlich widersprechen wolltest?

Fallen dir dazu sofort Situationen ein, steckt Respekt vermutlich tief in dir. Ob er in deinem V-Code ganz oben steht, zeigt dir unser kostenloser Wertetest, bei dem du dich immer wieder zwischen zwei Werten entscheidest. Wenn du lieber Karten in der Hand hast, nimm das WERTvollste Spiel der Welt. Du spielst die Werte in Duellen gegeneinander aus, bis dein Wertekompass mit acht Werten vor dir liegt. In der Familie oder im Team wird daraus schnell ein Gespräch darüber, was Respekt für jeden Einzelnen heißt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Respekt einfach erklärt?

Respekt heißt, andere Menschen ernst zu nehmen und fair zu behandeln, auch wenn sie anders sind als du. Für Kinder kann man es so sagen: Ich behandle andere so, wie ich selbst behandelt werden möchte, und wenn jemand Nein sagt, gilt das.

Was ist der Unterschied zwischen Respekt und Wertschätzung?

Respekt bekommt jeder, als Grundhaltung. Wertschätzung ist persönlicher: Du zeigst jemandem, dass du konkret siehst, was er tut oder wer er ist. Respekt geht auch ohne Sympathie, Wertschätzung braucht einen genaueren Blick.

Was bedeutet „Respekt zollen“?

Wer jemandem Respekt zollt, erkennt eine Leistung oder eine Haltung ausdrücklich an. „Zollen“ ist ein altes Wort für entrichten oder geben. Gemeint ist also, dass du dem anderen die Anerkennung gibst, die ihm zusteht.

Warum ist Respekt wichtig?

Respekt sorgt dafür, dass Menschen auch dann gut miteinander umgehen, wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Ohne ihn wird jeder Streit persönlich. In unserer Studie gehört Respekt zu den sechs wichtigsten von 32 Werten.

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