Gerechtigkeit, Illustration von Cynthia aus der Limited Edition
So hat Cynthia Gerechtigkeit für unsere Limited Edition gezeichnet.

So schauen wir im Valueverse auf Werte

Im Valueverse geben wir nicht vor, was ein Wert bedeutet. Jeder Mensch füllt Gerechtigkeit auf seine eigene Weise und gewichtet sie anders. Weil Orientierung trotzdem hilft, steht hier unsere Deutung: eine bewusst allgemeine Bedeutung von Gerechtigkeit im Valueverse-Modell. Darum lohnt sich das Gespräch: Was heißt Gerechtigkeit für dich, und was für dein Gegenüber?

In einer Gemeinschaft, also in der Familie, im Team oder in der Firma, braucht ein gemeinsamer Wert einen Satz, der für alle gilt. Zum Beispiel: „Gerechtigkeit heißt bei uns: Wer mehr braucht, bekommt mehr, und wir sagen offen, warum.“ Für dich allein darf Gerechtigkeit trotzdem etwas anderes bedeuten.

Wertekarte Gerechtigkeit
Die Wertekarte Gerechtigkeit

Gerechtigkeit bedeutet, dass Menschen bekommen, was ihnen zusteht, und dass niemand benachteiligt wird für etwas, wofür er nichts kann. Als persönlicher Wert heißt das: Ungleichbehandlung lässt dich nicht kalt, auch wenn sie dich selbst gar nicht trifft. In unserer Wertestudie ist Gerechtigkeit der drittwichtigste von 32 Werten, direkt nach Gesundheit und Familie.

Was bedeutet Gerechtigkeit?

Gerechtigkeit ist eines der ältesten Themen der Philosophie, und trotzdem spürt schon ein Kind im Sandkasten, was ungerecht ist. Im Alltag geht es dabei weniger um Gesetze als um ein Gefühl: Stimmt das Verhältnis zwischen dem, was jemand gibt, und dem, was er bekommt? Werden alle nach denselben Regeln behandelt?

Seit Aristoteles unterscheidet man grob zwei Arten. Die ausgleichende Gerechtigkeit sorgt dafür, dass ein Schaden wiedergutgemacht wird und ein Tausch fair abläuft. Die austeilende Gerechtigkeit fragt, wie Güter, Chancen oder Aufgaben in einer Gruppe verteilt werden. Wenn heute von sozialer Gerechtigkeit die Rede ist, geht es meist um die zweite Art.

Oft wird Gerechtigkeit mit Gleichheit verwechselt. Bekommen alle Kinder gleich viel Taschengeld, ist das gleich. Ob es auch gerecht ist, hängt davon ab, ob eines vierzehn ist und das andere sechs. In unserer Werteliste steht außerdem Fairness, ein enger Verwandter:

Wert Worum es geht Die Frage dahinter
Gerech­tigkeit jeder bekommt, was ihm zusteht Ist das Ergebnis in Ordnung?
Gleichheit alle bekommen dasselbe Wird hier jemand anders behandelt?
Fairness sich an die Spielregeln halten War der Weg dahin sauber?

Ein guter Hinweis auf deine eigene Gewichtung: Was regt dich mehr auf, ein unfaires Verfahren oder ein ungerechtes Ergebnis?

Gerechtigkeit im Valueverse-Modell

Wertetyp: Sicherheit, Farbe Orange. Das Fundament. Werte, die für Ordnung und Halt sorgen und auf die man sich verlassen kann.

Jeder Wert im Valueverse hat eine Farbe, und jede Farbe steht für einen von vier Wertetypen. Über 200 Werte sind so sortiert. Gerechtigkeit gehört zu Orange, zur Sicherheit. Das mag erst überraschen, weil man bei Gerechtigkeit an Menschen denkt. Aber Gerechtigkeit braucht verlässliche Regeln, an die sich alle halten, und darin steckt viel Ordnung. Ihr Ort im Modell neigt sich dabei leicht in Richtung Beziehung. Wie Gerechtigkeit neben den anderen orangen Werten wirkt, zeigt die Seite Werte der Sicherheit.

In deinem V-Code steht Gerechtigkeit selten allein. Mit Verantwortung zusammen wird daraus oft jemand, der sich für andere einsetzt. Mit Respekt zusammen jemand, der auf Augenhöhe pocht. Erst die Mischung zeigt, ob dein Gerechtigkeitssinn eher leise sortiert oder laut kämpft.

Gerechtigkeit im Valueverse-Modell, von oben und von der Seite
Jeder Punkt ist ein Wert aus dem Valueverse-Modell, jede Farbe ein Wertetyp. Von oben liegt Gerechtigkeit im orangen Bereich der Sicherheit, leicht zur Beziehung hin und recht nah an der Mitte. Von der Seite sitzt sie im unteren Teil des Modells, auf der Seite der Sicherheit. Gestrichelt verbunden ist Individualität, ein Wert, der im Modell weit von Gerechtigkeit entfernt liegt.

Im Kontrast: Individualität

Weit weg von Gerechtigkeit liegt im Modell Individualität, oben im Grün. Wer Individualität lebt, will als einzelner Mensch gesehen werden, mit seinen Besonderheiten. Gerechtigkeit dagegen denkt in Regeln, die für alle gelten. Stell dir eine Lehrerin vor, die für jede Klassenarbeit die gleichen Bewertungskriterien anlegt. Ein Schüler mit einer ungewöhnlichen, aber klugen Lösung fühlt sich davon platt gemacht. Die Lehrerin will niemanden bevorzugen, der Schüler will nicht in eine Schablone passen.

Gut wird es, wenn beide ihre Werte verhandeln, statt sie gegeneinander auszuspielen. Dann entsteht eine Gerechtigkeit, die den einzelnen Menschen sieht, und eine Individualität, die nicht auf Kosten anderer geht. Wie Wertegespräche dabei helfen, steht im Artikel Konflikte durch Wertegespräche lösen.

Woran du Gerechtigkeit im Alltag erkennst

In der Familie

Kaum ein Satz fällt in Familien so oft wie „Das ist unfair!“. Wer bekommt das größere Stück Kuchen, wer muss abtrocknen, wer darf länger aufbleiben? Eltern mit Gerechtigkeit als Wert führen manchmal innerlich Buch, damit keines der Kinder zu kurz kommt. Und später, beim Erbe oder bei der Pflege der Eltern, wird Gerechtigkeit unter Geschwistern oft zum großen Thema.

In Partnerschaft und Freundschaft

In einer Partnerschaft geht es um die Verteilung von Arbeit, Geld und Zeit. Wer kümmert sich um den Haushalt, wer verdient, wer verzichtet auf was? Menschen mit diesem Wert merken sehr fein, wenn ein Ungleichgewicht entsteht, und sprechen es auch an. In Freundschaften zeigt sich Gerechtigkeit im Ausgleich: Wer immer nur nimmt, verliert bei ihnen irgendwann den Platz.

Im Job

Bei der Arbeit fällt Gerechtigkeit überall da auf, wo verteilt wird: Gehälter, Beförderungen, unbeliebte Aufgaben, Urlaub über Weihnachten. Menschen mit Gerechtigkeit als Wert können viel aushalten, solange die Regeln für alle gelten. Wenn der Lieblingskollege der Chefin ständig besser wegkommt, ist die Motivation schnell weg. Mehr dazu im Artikel über werteorientierte Führung.

Zwei Hände legen sich gegenüber am Tisch je eine Wertekarte hin, etwa Gerechtigkeit und Individualität
Was ist gerecht? Zwei Karten auf dem Tisch machen ein Gespräch daraus.

Ein paar Beispiele für Gerechtigkeit im Alltag:

  • Du teilst eine Rechnung danach auf, wer was hatte, und nicht einfach durch vier.
  • Du sprichst an, wenn eine Kollegin für dieselbe Arbeit weniger Anerkennung bekommt.
  • Du entschuldigst dich und machst einen Schaden wieder gut.
  • Du hörst dir bei einem Streit beide Seiten an, bevor du urteilst.

Wenn Gerechtigkeit kippt

Auch Gerechtigkeit hat einen Schatten, der direkt an ihr hängt. Er heißt Rechthaberei. Dann geht es nicht mehr um einen Ausgleich, dann geht es ums Recht behalten und ums Bestrafen. Der eigene Zorn fühlt sich so berechtigt an, dass kein Raum mehr für die Sicht des anderen bleibt. Wer da drin steckt, rechnet jedes Detail auf und merkt nicht, dass er selbst unversöhnlich geworden ist.

Leiser, aber genauso anstrengend ist das ständige Aufrechnen in Beziehungen. Ich hab letzte Woche gekocht, du warst dreimal beim Sport. Wenn jede Kleinigkeit auf die Waage kommt, geht die Leichtigkeit verloren. Gerechtigkeit braucht manchmal auch Großzügigkeit, damit sie nicht kalt wird.

Mir hilft eine Frage: Geht es mir gerade um einen fairen Ausgleich, oder will ich vor allem recht bekommen?

Was die Studie sagt

In der Wertestudie haben wir 1.000 Menschen in Deutschland gefragt, wie wichtig ihnen 32 Werte sind, von 1 (sehr wichtig) bis 5 (spielt keine Rolle). Gerechtigkeit steht mit einem Mittelwert von 1,65 auf Platz 3, hinter Gesundheit und Familie. 54 Prozent der Befragten haben sie als sehr wichtig eingestuft.

Männer setzen Gerechtigkeit auf Platz 3, Frauen auf Platz 6. Und sie gewinnt mit dem Alter: Bei den unter 20-Jährigen liegt sie auf Platz 6, bei den 20- bis 39-Jährigen auf Platz 4, ab 40 auf Platz 3. Die Studie hält fest, dass ältere Menschen mehr Wert auf Gerechtigkeit legen, jüngere eher auf Freiheit. Einen Unterschied gibt es auch zwischen den Regionen: In Ostdeutschland taucht Gerechtigkeit nicht unter den fünf wichtigsten Werten auf.

Ist Gerechtigkeit einer deiner Werte?

Lies die Fragen und nimm die Antwort, die zuerst kommt:

  • Regt es dich auf, wenn jemand bevorzugt wird, auch wenn du selbst davon profitierst?
  • Bist du in Gruppen oft die Person, die darauf achtet, dass alle zu Wort kommen?
  • Fällt es dir schwer, eine Sache auf sich beruhen zu lassen, die du ungerecht findest?
  • Würdest du für jemand anderen Ärger in Kauf nehmen, wenn er unfair behandelt wird?

Mehrmals Ja gesagt? Dann lohnt sich der kostenlose Wertetest. Du entscheidest dich Runde für Runde für einen Wert und bekommst zum Schluss deinen V-Code. Wenn du lieber mit Karten arbeitest, nimm Das WERTvollste Spiel der Welt und sortiere in Duellen, bis acht Werte bleiben. Dann siehst du, ob Gerechtigkeit es bei dir ganz nach oben schafft.

Häufige Fragen

Was ist Gerechtigkeit einfach erklärt?

Gerechtigkeit heißt, dass jeder bekommt, was ihm zusteht, und dass niemand ohne guten Grund schlechter behandelt wird als andere. Gerecht ist eine Entscheidung dann, wenn alle Beteiligten nachvollziehen können, warum sie so ausgefallen ist.

Ist Gerechtigkeit dasselbe wie Gleichheit?

Nein. Gleichheit heißt, alle bekommen dasselbe. Gerechtigkeit fragt, was jeder Einzelne braucht oder verdient. Manchmal ist eine Gleichbehandlung gerecht, manchmal braucht es gerade eine Ungleichbehandlung, damit es fair wird.

Was ist ausgleichende Gerechtigkeit?

Ausgleichende Gerechtigkeit sorgt dafür, dass ein Tausch oder ein Schaden wieder ins Lot kommt. Wer etwas kaputt macht, ersetzt es, und wer etwas kauft, zahlt einen angemessenen Preis. Die Unterscheidung geht auf Aristoteles zurück.

Was sind Beispiele für Gerechtigkeit im Alltag?

Eine Rechnung danach aufteilen, wer was hatte. Aufgaben im Haushalt so verteilen, dass alle nach ihren Möglichkeiten beitragen. Bei einem Streit beide Seiten anhören. Und einen Fehler wiedergutmachen, statt ihn kleinzureden.

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