Wertespiel spielen: allein, zu zweit, Familie und Team
Ein Wertespiel spielst du so: Du gehst einen Stapel Wertekarten durch, sortierst aus dem Bauch, was dir wichtig ist, und lässt dann immer zwei Werte gegeneinander antreten, bis nur noch eine Handvoll übrig ist. Im Basisspiel sind das am Ende acht Werte, aus denen du deinen Wertekompass baust. Das klappt allein, zu zweit, mit der Familie und im Team, nur der Rahmen drumherum ändert sich.
Hier stehen die Spielweisen aus unseren eigenen Anleitungen. Die Spiele kommen von uns, also bekommst du die Regeln aus erster Hand. Wenn du noch überlegst, welches Spiel überhaupt zu dir passt, guck auf Finde das passende Spiel.
Zwei Sachen vorweg, die auch so in der Anleitung stehen. Erstens: Fühl in dich hinein. Ist ein Wert wirklich deiner, oder ist es der Wert deiner Eltern oder deines Partners? Ist er Teil von dir, oder hättest du ihn einfach gerne? Zweitens: Was rauskommt, ist eine Momentaufnahme. Nächstes Jahr kann dein Kompass anders aussehen, und das ist völlig okay.
Die Regeln sind übrigens kein Gesetz. Wenn dir Struktur und Ordnung wichtig sind, spiel strikt nach Anleitung. Bedeuten dir Freiheit und Offenheit mehr, darfst du nach der ersten Runde auch mal mehr als 26 Karten behalten oder dir mehrere Joker gönnen. Wichtig ist nur, dass am Ende acht Karten vor dir liegen.
Für wen: für dich, wenn du wissen willst, was dir wirklich wichtig ist. Vor einer Entscheidung oder einfach mal so. Wie lange: Eine feste Dauer gibt die Anleitung nicht vor. Nimm dir Zeit, in der dich keiner stört.
Worauf du achten solltest: Denk nicht zu lange nach. Je schneller du legst, desto weniger sortierst du nach dem, was gut klingt. Wenn dir am Ende ein Wert fehlt, der für dich entscheidend ist, gestalte dir deine eigene Wertekarte. Das ist ausdrücklich erlaubt.
Warum setzt das Spiel so stur auf links oder rechts? Das hat einen Grund. Das Basisspiel startet mit 52 Werten. Du gehst runter auf 26, über die Duelle auf acht, und oben im Kompass steht am Ende ein einziger Wert, dein Lebenswert. 52, 26, 8, 1, ich nenne das den Trichter. Auf jeder Stufe hat dein Kopf eine winzige Aufgabe: diese Karte oder die andere. Damit ist er voll beschäftigt, und in der Zeit entscheidet dein Bauch. Das Unterbewusstsein ist schneller als jeder Gedanke. Was am Ende übrig bleibt, hast du dir nicht ausgerechnet. Es kommt aus dem Teil von dir, der es längst wusste.
Die acht Werte, die dann vor dir liegen, sind dein V-Code. Er zeigt, woraus du Energie schöpfst, und das gilt für den Job genauso wie fürs Private. Bei 26 Karten siehst du eine erste Tendenz. Spätestens bei acht erkennst du dich wieder. Guck dir danach mal an, welche Farben in deinen acht stecken. Jeder Wert gehört zu einem der vier Wertetypen, und in der Werteliste steht bei jedem dabei, zu welchem. Liegt bei dir fast alles in Orange, oder mischen sich drei, vier Farben? Beides ist völlig okay. Es sagt dir nur eine Menge darüber, wie du tickst.
Schummeln im Trichter bringt dir übrigens nichts. Sobald du anfängst, jedes Duell zu begründen, sitzt wieder der Verstand am Steuer. Und wer lieber ohne Karten reinschnuppern will, bekommt einen ersten Blick auf seinen V-Code im kostenlosen Wertetest.
Zu zweit gibt es zwei Wege. Entweder einer spielt und der andere begleitet. Oder ihr spielt beide und legt eure Ergebnisse nebeneinander.
Für wen: für dich und eine Person, der du vertraust. Wie lange: rechne mit 35 bis 50 Minuten, so steht es in der Anleitung zu unserem Deck Value Awareness, wo diese Rolle ausführlich beschrieben ist.
Worauf achten: Die begleitende Person wertet nie. Ein Satz wie „Das passt gut zu dir“ ist tabu. Sie darf aber beobachten, wo du zögerst, und das später ansprechen. Gerade das Zögern ist für sie eine wertvolle Information.
Für wen: Paare oder Freunde. Wie lange: etwa 60 bis 90 Minuten. Mit zwei Spielen könnt ihr gleichzeitig wählen, mit einem nacheinander.
Wie ihr so ein Gespräch gut führt, steht in Paargespräche mit Wertekarten führen.
Im Kern läuft es mit der Familie wie Variante 2, nur sitzen mehr Menschen am Tisch. Den ganzen Ablauf für einen Familienabend, dazu Beispiele für Familienwerte, findest du in Familienwerte: Beispiele und wie ihr eure findet.
Für wen: Eltern mit Kindern. Das Basisspiel ist ab 14 Jahren gedacht, laut unserer Anleitung für Paare und Familien klappt es mit ein paar Anpassungen ab etwa zehn. Wie lange: plant 60 bis 90 Minuten ein.
Worauf achten: Mit Kindern muss am Ende keine Vereinbarung stehen. Habt ihr Eltern danach ein besseres Gefühl dafür, was eurem Kind wichtig ist, ist schon viel gewonnen.
Wenn ihr lieber erst mal ins Reden kommen wollt, nehmt die Fragekarten aus Die wahrscheinlich WERTvollsten Fragen der Welt. Einer zieht eine Karte und beantwortet die Hauptfrage ehrlich. Dann kommen zwei Unterfragen: Wie hast du dich dabei gefühlt? Und welcher Wert steckt dahinter?
Für wen: Teams mit fünf bis zehn Leuten. Bei mehr braucht ihr Untergruppen oder jemanden von außen. Wie lange: 2 bis 2,5 Stunden inklusive 15 Minuten Pause. Den ausführlichen Ablauf haben wir für Value Awareness aufgeschrieben, er ist so gebaut, dass ihr ihn ohne externe Moderation spielen könnt.
Voraussetzung: Jeder kennt seine eigenen Werte schon. Wer noch nicht gespielt hat, spielt vorher allein, dafür plant ihr 45 Minuten ein. Zwei Leute aus dem Team übernehmen Rollen und spielen trotzdem voll mit: die Spielleitung, die durch die Phasen führt und die Zeit hält, und der Spielregelhüter, der an die Regeln erinnert.
Die Regeln lest ihr vorher einmal laut vor. Fragen sind erlaubt, Deutungen nicht. „Was verstehst du unter Stabilität?“ ist gut. „Du wählst Stabilität, weil du Angst vor Veränderung hast“ ist raus. Wer einen Wert verteidigen will, hat 60 Sekunden. Wer schweigen will, darf schweigen. Und eine Führungskraft hat eine Stimme wie jede andere.
Worauf achten: Plant einen Rückblick nach drei bis sechs Monaten ein, dafür reichen 60 bis 90 Minuten. Und wenn es im Team einen ungelösten Konflikt gibt, holt euch lieber Begleitung von außen. Mehr zur Methode findest du in Teamwerte Workshop Methode richtig nutzen.
Für wen: eine ganze Klasse, ab etwa zehn Jahren. Wie lange: eine Schulstunde, mit Auswertung 60 Minuten. Ihr braucht pro Gruppe 40 bis 50 Karten.
Worauf achten: Die Joker sind wichtig. Ohne sie fühlt sich das Spiel für viele Jugendliche an wie eine Prüfung, die sie verbockt haben. Und der Zettel mit den acht Werten gehört der Person. Sammel ihn also bitte nicht ein und häng ihn auch nicht mit Namen auf.
Für Coaches haben wir fünf Hacks aufgeschrieben, wie man die Anleitung bewusst verlässt. Einige davon kannst du dir auch für zu Hause abgucken. Spiel mal eine Runde ohne Ziel und ohne Thema, die Erkenntnis kommt oft hinterher. Nimm weniger Karten, wenn es zäh wird, und zieh die dann blind, damit du nicht unbewusst vorsortierst. Hol Werte aus dem Ablagestapel zurück, wann immer dir unterwegs etwas fehlt. Oder misch dir dein eigenes Deck aus dem Basisspiel, den Core Values und den Super Power Values. Kaputt machen kannst du dabei nichts. Das Schlimmste, was passiert, ist ein Gespräch, das anders läuft als gedacht.
Manche fragen sich vor dem Kauf, ob man so ein Wertespiel nur einmal spielt. Unsere Käuferinnen und Käufer erzählen uns was anderes. Eine schreibt, sie spielt meistens allein am Küchentisch, immer wenn sie beim Tee sitzt und ihr Lebensfragen durch den Kopf gehen. Andere nehmen es regelmäßig wieder raus, privat und im Job. Ein Coach hat es nach eigener Aussage 160-mal gespielt.
Und dann ist da dieser kurze Satz, den wir in Rückmeldungen immer wieder lesen: „Ich habe mich gesehen.“ Mehr Ideen, wie Wertespiele für Erwachsene wirken, findest du in Wertespiele für Erwachsene, die wirklich wirken. Und wenn du direkt loslegen willst: Das WERTvollste Spiel der Welt ist das Basisspiel, mit dem alles anfängt.
Für das Basisspiel allein nennt die Anleitung keine feste Dauer. Zu zweit mit Begleitung rechnest du mit 35 bis 50 Minuten, als Paar mit Vergleich mit 60 bis 90 Minuten. Ein Team-Workshop dauert 2 bis 2,5 Stunden.
Das Basisspiel ist ab 14 Jahren gedacht. In Familie und Schule klappt es mit gekürztem Deck und gemeinsam vorgelesenen Wörtern ab etwa zehn Jahren.
Nein. Die Anleitung führt dich durch, und du kannst nichts falsch machen. Ein Wertespiel ist ein Werkzeug zum Nachdenken und Reden. Eine Therapie ersetzt es nicht, und bei echten Konflikten im Team oder in der Familie ist Begleitung von außen sinnvoll.
Mehr zum Thema: Alles zu Wertespiele findest du auf unserer Themenseite.
Geschrieben von Hendrik Martens, Systemischer Business Coach und Erfinder des Valueverse.