Wertespiel spielen: allein, zu zweit, Familie und Team

So spielst du ein Wertespiel allein, zu zweit, mit der Familie, im Team und in der Schule. Mit Dauer, Ablauf in Schritten und Tipps aus unseren Original-Anleitungen.
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Gruppe spielt am runden Tisch das Wertespiel

Ein Wertespiel spielst du so: Du gehst einen Stapel Wertekarten durch, sortierst aus dem Bauch, was dir wichtig ist, und lässt dann immer zwei Werte gegeneinander antreten, bis nur noch eine Handvoll übrig ist. Im Basisspiel sind das am Ende acht Werte, aus denen du deinen Wertekompass baust. Das klappt allein, zu zweit, mit der Familie und im Team, nur der Rahmen drumherum ändert sich.

Hier stehen die Spielweisen aus unseren eigenen Anleitungen. Die Spiele kommen von uns, also bekommst du die Regeln aus erster Hand. Wenn du noch überlegst, welches Spiel überhaupt zu dir passt, guck auf Finde das passende Spiel.

Bevor du loslegst

Zwei Sachen vorweg, die auch so in der Anleitung stehen. Erstens: Fühl in dich hinein. Ist ein Wert wirklich deiner, oder ist es der Wert deiner Eltern oder deines Partners? Ist er Teil von dir, oder hättest du ihn einfach gerne? Zweitens: Was rauskommt, ist eine Momentaufnahme. Nächstes Jahr kann dein Kompass anders aussehen, und das ist völlig okay.

Die Regeln sind übrigens kein Gesetz. Wenn dir Struktur und Ordnung wichtig sind, spiel strikt nach Anleitung. Bedeuten dir Freiheit und Offenheit mehr, darfst du nach der ersten Runde auch mal mehr als 26 Karten behalten oder dir mehrere Joker gönnen. Wichtig ist nur, dass am Ende acht Karten vor dir liegen.

Allein spielen: der Klassiker mit dem Basisspiel

Für wen: für dich, wenn du wissen willst, was dir wirklich wichtig ist. Vor einer Entscheidung oder einfach mal so. Wie lange: Eine feste Dauer gibt die Anleitung nicht vor. Nimm dir Zeit, in der dich keiner stört.

  1. Misch das Deck und schau dir jede Karte einzeln an. Entscheide spontan: Wichtige Werte kommen links auf einen Stapel, der Rest rechts auf den Ablagestapel.
  2. Nimm Karten vom Ablagestapel dazu oder vom linken Stapel weg, bis du auf genau 26 Wertekarten kommst.
  3. Jetzt die Duelle: Zieh zwei Karten, leg sie nebeneinander und entscheide intuitiv, welcher Wert dir wichtiger ist. Der bleibt, der andere fliegt raus. So lange, bis der Stapel leer ist. Übrig bleiben 13 Werte.
  4. Hol dir aus dem Ablagestapel einen Joker-Wert zurück, der dir auch wichtig ist. Mit den jetzt 14 Werten machst du noch mal Duelle. Übrig bleiben sieben, dann holst du dir wieder einen Joker zurück, und du hast acht.
  5. Aus diesen acht Werten baust du deinen Wertekompass. Dein Lebenswert ist der Wert, der in deinem Leben bei ganz verschiedenen Herausforderungen immer wieder auftaucht. Deine Superkräfte sind das, was du richtig gut kannst, oft Werte wie Begeisterung oder Kreativität. Deine Grundwerte sind die Basis, zum Beispiel Familie oder Sicherheit.
  6. Trag deine Werte auf der beigelegten Wertekarte ein.

Worauf du achten solltest: Denk nicht zu lange nach. Je schneller du legst, desto weniger sortierst du nach dem, was gut klingt. Wenn dir am Ende ein Wert fehlt, der für dich entscheidend ist, gestalte dir deine eigene Wertekarte. Das ist ausdrücklich erlaubt.

Der Trichter: wie aus 52 Karten dein V-Code wird

Warum setzt das Spiel so stur auf links oder rechts? Das hat einen Grund. Das Basisspiel startet mit 52 Werten. Du gehst runter auf 26, über die Duelle auf acht, und oben im Kompass steht am Ende ein einziger Wert, dein Lebenswert. 52, 26, 8, 1, ich nenne das den Trichter. Auf jeder Stufe hat dein Kopf eine winzige Aufgabe: diese Karte oder die andere. Damit ist er voll beschäftigt, und in der Zeit entscheidet dein Bauch. Das Unterbewusstsein ist schneller als jeder Gedanke. Was am Ende übrig bleibt, hast du dir nicht ausgerechnet. Es kommt aus dem Teil von dir, der es längst wusste.

Die acht Werte, die dann vor dir liegen, sind dein V-Code. Er zeigt, woraus du Energie schöpfst, und das gilt für den Job genauso wie fürs Private. Bei 26 Karten siehst du eine erste Tendenz. Spätestens bei acht erkennst du dich wieder. Guck dir danach mal an, welche Farben in deinen acht stecken. Jeder Wert gehört zu einem der vier Wertetypen, und in der Werteliste steht bei jedem dabei, zu welchem. Liegt bei dir fast alles in Orange, oder mischen sich drei, vier Farben? Beides ist völlig okay. Es sagt dir nur eine Menge darüber, wie du tickst.

Schummeln im Trichter bringt dir übrigens nichts. Sobald du anfängst, jedes Duell zu begründen, sitzt wieder der Verstand am Steuer. Und wer lieber ohne Karten reinschnuppern will, bekommt einen ersten Blick auf seinen V-Code im kostenlosen Wertetest.

Zu zweit: begleiten oder vergleichen

Zu zweit gibt es zwei Wege. Entweder einer spielt und der andere begleitet. Oder ihr spielt beide und legt eure Ergebnisse nebeneinander.

Variante 1: Lass dir die Karten legen

Für wen: für dich und eine Person, der du vertraust. Wie lange: rechne mit 35 bis 50 Minuten, so steht es in der Anleitung zu unserem Deck Value Awareness, wo diese Rolle ausführlich beschrieben ist.

  1. Die begleitende Person deckt jede Karte einzeln auf, hält sie dir hin und liest den Wert laut vor. Mehr sagt sie dazu erst mal nicht.
  2. In den Duellen legt sie dir immer zwei Karten hin, liest beide vor und schweigt.
  3. Erst wenn du länger als etwa zehn Sekunden zögerst, fragt sie: „Was macht die Entscheidung gerade schwer?“
  4. Am Ende liest sie dir deine Werte laut vor und lässt Stille entstehen. Dann darf sie fragen: „Welcher dieser Werte überrascht dich am meisten?“

Worauf achten: Die begleitende Person wertet nie. Ein Satz wie „Das passt gut zu dir“ ist tabu. Sie darf aber beobachten, wo du zögerst, und das später ansprechen. Gerade das Zögern ist für sie eine wertvolle Information.

Variante 2: Beide spielen, dann vergleichen

Für wen: Paare oder Freunde. Wie lange: etwa 60 bis 90 Minuten. Mit zwei Spielen könnt ihr gleichzeitig wählen, mit einem nacheinander.

  1. Jeder sucht sich fünf bis sechs Werte aus, ohne dass der andere zuschaut.
  2. Legt eure Karten in zwei Reihen untereinander. So schaut ihr gemeinsam auf ein Bild und sitzt euch nicht wie Gegner gegenüber.
  3. Zu jeder Karte erzählt die Person, der sie gehört, ein Erlebnis, in dem dieser Wert eine Rolle gespielt hat.
  4. Startet mit den Werten, die ihr beide gewählt habt. Das ist euer gemeinsamer Boden.
  5. Danach kommen die Werte, die nur einer von euch hat. Hört zu und fragt nach, bevor ihr irgendetwas aushandelt.
  6. Nehmt zum Schluss den Unterschied, der am meisten reibt, und baut daraus einen Kombiwert, in dem beide Werte vorkommen.

Wie ihr so ein Gespräch gut führt, steht in Paargespräche mit Wertekarten führen.

Mit der Familie spielen

Im Kern läuft es mit der Familie wie Variante 2, nur sitzen mehr Menschen am Tisch. Den ganzen Ablauf für einen Familienabend, dazu Beispiele für Familienwerte, findest du in Familienwerte: Beispiele und wie ihr eure findet.

Für wen: Eltern mit Kindern. Das Basisspiel ist ab 14 Jahren gedacht, laut unserer Anleitung für Paare und Familien klappt es mit ein paar Anpassungen ab etwa zehn. Wie lange: plant 60 bis 90 Minuten ein.

  1. Reduziert das Deck auf dreißig bis vierzig Karten.
  2. Wörter, die jemand nicht kennt, lest ihr gemeinsam vor.
  3. Die Kinder legen zuerst, die Eltern danach. Beim Wählen sitzt jeder für sich, gern auch in verschiedenen Ecken des Zimmers.
  4. Danach legt ihr eure Reihen untereinander, und jeder erzählt zu seinen Karten.

Worauf achten: Mit Kindern muss am Ende keine Vereinbarung stehen. Habt ihr Eltern danach ein besseres Gefühl dafür, was eurem Kind wichtig ist, ist schon viel gewonnen.

Wenn ihr lieber erst mal ins Reden kommen wollt, nehmt die Fragekarten aus Die wahrscheinlich WERTvollsten Fragen der Welt. Einer zieht eine Karte und beantwortet die Hauptfrage ehrlich. Dann kommen zwei Unterfragen: Wie hast du dich dabei gefühlt? Und welcher Wert steckt dahinter?

Im Team: Teamwerte erspielen

Für wen: Teams mit fünf bis zehn Leuten. Bei mehr braucht ihr Untergruppen oder jemanden von außen. Wie lange: 2 bis 2,5 Stunden inklusive 15 Minuten Pause. Den ausführlichen Ablauf haben wir für Value Awareness aufgeschrieben, er ist so gebaut, dass ihr ihn ohne externe Moderation spielen könnt.

Voraussetzung: Jeder kennt seine eigenen Werte schon. Wer noch nicht gespielt hat, spielt vorher allein, dafür plant ihr 45 Minuten ein. Zwei Leute aus dem Team übernehmen Rollen und spielen trotzdem voll mit: die Spielleitung, die durch die Phasen führt und die Zeit hält, und der Spielregelhüter, der an die Regeln erinnert.

Die Regeln lest ihr vorher einmal laut vor. Fragen sind erlaubt, Deutungen nicht. „Was verstehst du unter Stabilität?“ ist gut. „Du wählst Stabilität, weil du Angst vor Veränderung hast“ ist raus. Wer einen Wert verteidigen will, hat 60 Sekunden. Wer schweigen will, darf schweigen. Und eine Führungskraft hat eine Stimme wie jede andere.

  1. Karten auf den Tisch: Reihum legt jeder in maximal drei Minuten seine Werte in die Mitte, mit ein, zwei Sätzen pro Karte. Liegt eine Karte schon, kommt ein Strich oder Klebepunkt drauf.
  2. Cluster bilden: Was zusammengehört, wandert zusammen. Laut sortieren und umsortieren gehört dazu.
  3. Verdichten: Pro Cluster bleiben ein bis zwei Karten. Am Ende liegen sechs bis zehn Karten, die das Team tragen.
  4. Schnellpoker: Die Spielleitung zeigt die übrigen Karten im Tempo. Wer „Stopp!“ ruft, erklärt in 60 Sekunden, warum der Wert rein muss, dann stimmt ihr per Hand ab.
  5. Die Schatten: Jeder holt ein, zwei Werte, die er im Team nicht haben will. Drei bis fünf davon bleiben als No-Gos.
  6. Team-Prinzipien: Aus jeder Karte wird ein Satz, an dem man Verhalten prüfen kann. Ein Beispiel aus der Anleitung: Aus „Ehrlichkeit“ wird „Wir geben kritisches Feedback direkt der Person, nie in Abwesenheit über Dritte.“

Worauf achten: Plant einen Rückblick nach drei bis sechs Monaten ein, dafür reichen 60 bis 90 Minuten. Und wenn es im Team einen ungelösten Konflikt gibt, holt euch lieber Begleitung von außen. Mehr zur Methode findest du in Teamwerte Workshop Methode richtig nutzen.

In der Schule: Werte spielerisch vermitteln

Für wen: eine ganze Klasse, ab etwa zehn Jahren. Wie lange: eine Schulstunde, mit Auswertung 60 Minuten. Ihr braucht pro Gruppe 40 bis 50 Karten.

  1. Kürz das Deck vorher nach Verständlichkeit. Wörter, die eine Zehnjährige nicht erklären könnte, fliegen raus. Freundschaft, Mut, Humor oder Gerechtigkeit bleiben drin.
  2. Erklär die Regel in einem Satz: „Ich decke zwei Karten auf, du entscheidest, welche dir wichtiger ist.“
  3. Runde eins: Immer zwei aufdecken, die wichtigere kommt auf den Wichtig-Stapel, die andere weg. Einmal durch das ganze Deck.
  4. Danach darf jede und jeder bis zu drei Joker aus dem Ablagestapel zurückholen.
  5. Runde zwei und drei laufen genauso, bis acht Karten übrig sind.
  6. Jeder schaut auf seine acht: Welcher ist der wichtigste? Bei welchem hast du am längsten gezögert? Zu welchem fällt dir sofort eine Situation ein?

Worauf achten: Die Joker sind wichtig. Ohne sie fühlt sich das Spiel für viele Jugendliche an wie eine Prüfung, die sie verbockt haben. Und der Zettel mit den acht Werten gehört der Person. Sammel ihn also bitte nicht ein und häng ihn auch nicht mit Namen auf.

Wenn dir die Regeln zu eng werden

Für Coaches haben wir fünf Hacks aufgeschrieben, wie man die Anleitung bewusst verlässt. Einige davon kannst du dir auch für zu Hause abgucken. Spiel mal eine Runde ohne Ziel und ohne Thema, die Erkenntnis kommt oft hinterher. Nimm weniger Karten, wenn es zäh wird, und zieh die dann blind, damit du nicht unbewusst vorsortierst. Hol Werte aus dem Ablagestapel zurück, wann immer dir unterwegs etwas fehlt. Oder misch dir dein eigenes Deck aus dem Basisspiel, den Core Values und den Super Power Values. Kaputt machen kannst du dabei nichts. Das Schlimmste, was passiert, ist ein Gespräch, das anders läuft als gedacht.

Einmal spielen und fertig? Eher nicht

Manche fragen sich vor dem Kauf, ob man so ein Wertespiel nur einmal spielt. Unsere Käuferinnen und Käufer erzählen uns was anderes. Eine schreibt, sie spielt meistens allein am Küchentisch, immer wenn sie beim Tee sitzt und ihr Lebensfragen durch den Kopf gehen. Andere nehmen es regelmäßig wieder raus, privat und im Job. Ein Coach hat es nach eigener Aussage 160-mal gespielt.

Und dann ist da dieser kurze Satz, den wir in Rückmeldungen immer wieder lesen: „Ich habe mich gesehen.“ Mehr Ideen, wie Wertespiele für Erwachsene wirken, findest du in Wertespiele für Erwachsene, die wirklich wirken. Und wenn du direkt loslegen willst: Das WERTvollste Spiel der Welt ist das Basisspiel, mit dem alles anfängt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Wertespiel?

Für das Basisspiel allein nennt die Anleitung keine feste Dauer. Zu zweit mit Begleitung rechnest du mit 35 bis 50 Minuten, als Paar mit Vergleich mit 60 bis 90 Minuten. Ein Team-Workshop dauert 2 bis 2,5 Stunden.

Ab welchem Alter kann man das Wertespiel spielen?

Das Basisspiel ist ab 14 Jahren gedacht. In Familie und Schule klappt es mit gekürztem Deck und gemeinsam vorgelesenen Wörtern ab etwa zehn Jahren.

Brauche ich einen Coach, um ein Wertespiel zu spielen?

Nein. Die Anleitung führt dich durch, und du kannst nichts falsch machen. Ein Wertespiel ist ein Werkzeug zum Nachdenken und Reden. Eine Therapie ersetzt es nicht, und bei echten Konflikten im Team oder in der Familie ist Begleitung von außen sinnvoll.

Mehr zum Thema: Alles zu Wertespiele findest du auf unserer Themenseite.

Geschrieben von Hendrik Martens, Systemischer Business Coach und Erfinder des Valueverse.