Disziplin bedeutet, an einer Sache dranzubleiben, die dir wichtig ist, auch an Tagen, an denen du keine Lust darauf hast. Als persönlicher Wert heißt das: Du verlässt dich lieber auf deine Gewohnheiten als auf deine Stimmung. In unserer Wertestudie mit 1.000 Befragten landet Disziplin auf Platz 19 von 32, bei Männern deutlich weiter vorn als bei Frauen.

Wertetyp Sicherheit · OrangePlatz 19 der Wertestudie
Disziplin, Illustration von Cynthia aus der Limited Edition
So hat Cynthia Disziplin für unsere Limited Edition gezeichnet.
So schauen wir im Valueverse auf Werte

Im Valueverse geben wir nicht vor, was ein Wert bedeutet. Jeder Mensch füllt Disziplin auf seine eigene Weise und gewichtet sie anders. Weil Orientierung trotzdem hilft, steht hier unsere Deutung: eine bewusst allgemeine Bedeutung von Disziplin im Valueverse-Modell. Darum lohnt sich das Gespräch: Was heißt Disziplin für dich, und was für dein Gegenüber?

In einer Gemeinschaft, also in der Familie, im Team oder in der Firma, braucht ein gemeinsamer Wert einen Satz, der für alle gilt. Zum Beispiel: „Disziplin heißt bei uns: Was wir im Meeting zusagen, steht am Freitag erledigt im Ordner.“ Für dich allein darf Disziplin trotzdem etwas anderes bedeuten.

Wertekarte Disziplin
Die Wertekarte Disziplin

Was bedeutet Disziplin?

Das Wort kommt aus dem Lateinischen. „Disciplina“ hängt mit „discere“ zusammen, lernen. Ursprünglich ging es also ums Lernen und Üben, erst später um Ordnung und Gehorsam. Viele denken bei Disziplin trotzdem zuerst an Strenge, an Drill und an den Satz „Reiß dich zusammen“.

Als Wert meint Disziplin etwas Freundlicheres. Du hast dir etwas vorgenommen, weil es dir wichtig ist, und du machst es auch an den Tagen, an denen es sich zäh anfühlt. Die Entscheidung triffst du einmal, danach setzt du sie um, ohne jeden Morgen neu darüber abzustimmen. Drei Begriffe werden dabei oft durcheinandergeworfen:

Disziplin

Im Kern

dranbleiben, auch ohne Lust

Die Frage dahinter

Mache ich weiter, wenn es zäh wird?

Selbst­disziplin

Im Kern

Disziplin ohne Druck von außen

Die Frage dahinter

Wer hält mich an, wenn niemand zuschaut?

Motivation

Im Kern

der Grund oder die Lust, anzufangen

Die Frage dahinter

Warum will ich das überhaupt?

Motivation bringt dich los, Disziplin bringt dich durch. Bei Google wird oft gefragt, warum Disziplin so schwer ist. Meine Antwort: Sie arbeitet gegen die Stimmung, und die Stimmung ist laut. Wer nur auf Motivation wartet, fängt manche Dinge nie an.

Disziplin im Valueverse-Modell, von oben und von der Seite
Jeder Punkt ist ein Wert aus dem Valueverse-Modell, jede Farbe ein Wertetyp. Von oben liegt Disziplin im orangen Bereich der Sicherheit, etwas zur Erfüllung hin geneigt und nicht weit von der Mitte. Von der Seite sitzt sie weit oben, auf der Seite der Sicherheit. Gestrichelt verbunden ist Freiheit, ein Wert, der im Modell weit von Disziplin entfernt liegt.
Wertetyp: Sicherheit, Farbe Orange

Disziplin im Valueverse-Modell

Das Fundament. Werte, die für Ordnung und Halt sorgen und auf die man sich verlassen kann.

Disziplin trägt im Valueverse die Farbe Orange. Damit gehört sie zur Sicherheit, einem unserer vier Wertetypen, in die wir alle über 200 Werte einteilen. Im Modell liegt sie im orangen Bereich, ein Stück zur Erfüllung hin geneigt, und ganz in ihrer Nähe liegt Integrität. Das passt für mich: Disziplin gibt Halt, und wer sie lebt, will damit oft etwas Eigenes erreichen. Ihren Eintrag unter den anderen Sicherheitswerten findest du bei Werte der Sicherheit.

Im V-Code zeigt Disziplin, woher du deine Kraft holst. Menschen mit Disziplin weit oben ziehen Energie aus Routinen und aus dem Gefühl, Wort gehalten zu haben, auch sich selbst gegenüber. Steht Disziplin im V-Code neben Kreativität, sind zwei Kräfte am Werk, die sich gut ergänzen: die Idee und das Dranbleiben.

Im Kontrast: Freiheit

Wertekarte Disziplin

Disziplin

vs.
Wertekarte Freiheit

Freiheit

Weit weg von Disziplin liegt im Modell Freiheit, im grünen Bereich der Erfüllung. Wer Freiheit lebt, will selbst entscheiden, wann er was tut, und mag keine festen Pläne. Stell dir zwei Freunde vor, die zusammen für einen Halbmarathon trainieren wollen. Der eine hat einen Plan mit festen Tagen und Kilometern. Der andere läuft, wenn ihm danach ist, und findet den Plan nach zwei Wochen erdrückend.

Hier hilft es, die Werte miteinander zu verhandeln, statt sie gegeneinander auszuspielen. Disziplin wird leichter, wenn sie Spielraum lässt, zum Beispiel einen festen Rahmen von drei Läufen pro Woche mit freier Wahl der Tage. Und Freiheit hat oft mehr davon, wenn ein bisschen Disziplin sie trägt: Wer gelernt hat dranzubleiben, kann sich viel mehr Dinge aussuchen. Daraus wird eine freie Disziplin, also Regeln, die du dir selbst gibst, weil du etwas erreichen willst.

Woran du Disziplin im Alltag erkennst

Vorbereitung am leeren Tisch: Disziplin passiert oft dann, wenn keiner zuschaut.

In der Familie

Familien mit viel Disziplin erkennst du an festen Abläufen. Erst kommen die Hausaufgaben, dann wird gespielt, und die Bildschirmzeit läuft mit Uhr. Das kann Kindern Halt geben. Werden die Regeln zu eng, gibt es allerdings jeden Abend dieselbe Diskussion. Kinder lernen Disziplin am ehesten bei Erwachsenen, die selbst dranbleiben, beim Sport oder beim Versprechen, am Samstag gemeinsam etwas zu bauen.

In Partnerschaft und Freundschaft

In Beziehungen zeigt sich Disziplin oft da, wo man sie nicht vermutet. Ihr haltet euren Abend zu zweit, auch wenn die Woche voll war. Oder ihr setzt euch wirklich jeden Monat zusammen und redet über Geld, wie ihr es euch vorgenommen habt. Unter Freunden ist es der Mensch, der um sieben zum Laufen vor deiner Tür steht, auch wenn es regnet. Mit so jemandem schaffst du Dinge, die du allein längst abgebrochen hättest.

Im Job

Im Job fällt Disziplin oft gar nicht auf, weil sie einfach funktioniert. Eine Kollegin pflegt jede Woche die Zahlen, obwohl es niemand kontrolliert. Ein Selbstständiger sitzt morgens um acht am Schreibtisch, obwohl ihm keiner sagt, wann er anfangen soll. Wer frei arbeitet, merkt schnell, wie viel Disziplin die Selbstständigkeit verlangt. Wer Ziele mit seinen Werten verbinden will, findet Ideen im Artikel Lebensziele und Werte klären.

Ein paar Beispiele für gelebte Disziplin:

  • Du machst deine Übungen auch im Urlaub, nur kürzer.
  • Du schreibst die Steuererklärung, bevor die Frist drückt.
  • Du hörst nach der zweiten Folge auf, weil du morgen früh raus musst.
  • Du hältst ein Versprechen, das du nur dir selbst gegeben hast.
Die Kehrseite

Wenn Disziplin kippt

Bei Disziplin liegt der Schatten in der Härte gegen dich selbst. Dann darfst du keinen Tag auslassen, ohne dich schlecht zu fühlen, und Erholung musst du dir erst verdienen. Der Plan läuft weiter, auch wenn du krank bist oder das Ziel längst nicht mehr deins ist.

Die zweite Falle ist Disziplin als Maßstab für andere. Wer selbst gut durchhält, hält andere schnell für faul. Dabei haben Menschen sehr verschiedene Gründe, warum etwas nicht klappt, und fehlender Wille ist nur einer davon. In Teams führt zu viel Disziplin von oben dazu, dass Leute Regeln befolgen und aufhören mitzudenken.

Ich frage mich dann: Bringt mich das hier meinem Ziel näher, oder will ich mir nur beweisen, dass ich durchhalte?

Wertestudie, 1.000 Befragte

Was die Studie sagt

#19
von 32 Werten
2,14
Mittelwert (1 = sehr wichtig)

Unsere Wertestudie legt 1.000 Befragten 32 Werte vor, und jeder Wert wird von 1 für sehr wichtig bis 5 für spielt keine Rolle eingestuft. Disziplin erreicht einen Mittelwert von 2,14 und landet damit auf Platz 19, im Mittelfeld.

Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männer setzen Disziplin auf Platz 14, Frauen auf Platz 22. Woran das liegt, sagt die Studie nicht. Ich finde, das ist eine gute Frage für den nächsten Abend mit Freunden.

Ist Disziplin einer deiner Werte?

Antworte spontan, ohne lange nachzudenken:

  • Hältst du Routinen auch dann ein, wenn niemand davon erfährt?
  • Nervt es dich, wenn andere Abmachungen locker nehmen, etwa beim gemeinsamen Sport oder im Projekt?
  • Fühlst du dich nach einem Tag ohne Plan eher unruhig als erholt?
  • Bringst du Dinge zu Ende, auch wenn die Begeisterung längst weg ist?

Mehr als einmal Ja gesagt? Der kostenlose Wertetest lässt immer zwei Werte gegeneinander antreten, am Schluss steht dein V-Code. Mit Karten spielst du das in Das WERTvollste Spiel der Welt nach. Dort sortierst du in Duellen, bis acht Werte vor dir liegen, und merkst, ob Disziplin sich gegen die anderen durchsetzt.

Häufige Fragen

Was ist Disziplin einfach erklärt?

Disziplin heißt, bei einer Sache zu bleiben, die dir wichtig ist, auch wenn du gerade keine Lust hast. Du hältst dich an einen Plan oder eine Regel, die du dir selbst gegeben hast oder die du für sinnvoll hältst.

Warum ist Disziplin wichtig?

Weil viele Ziele Zeit brauchen. Ein Instrument lernen oder fit werden schafft kaum jemand mit Lust allein. Disziplin hält dich an den Tagen bei der Sache, an denen die Motivation fehlt.

Warum ist Disziplin so schwer?

Weil sie gegen die Stimmung arbeitet. Kurzfristig ist fast immer etwas anderes bequemer. Leichter wird es, wenn du weißt, wofür du es tust, und wenn aus einer Entscheidung eine Gewohnheit geworden ist.

Ist Disziplin ein Wert?

Ja. Disziplin ist ein persönlicher Wert, wenn sie dir wichtig ist und dein Handeln lenkt. In unserer Wertestudie kommt sie auf Platz 19 von 32, bei Männern auf Platz 14. Im Valueverse-Modell ist Disziplin ein oranger Wert, Wertetyp Sicherheit.