Freiheit, Illustration von Cynthia aus der Limited Edition
So hat Cynthia Freiheit für unsere Limited Edition gezeichnet.

So schauen wir im Valueverse auf Werte

Im Valueverse geben wir nicht vor, was ein Wert bedeutet. Jeder Mensch füllt Freiheit auf seine eigene Weise und gewichtet sie anders. Weil Orientierung trotzdem hilft, steht hier unsere Deutung: eine bewusst allgemeine Bedeutung von Freiheit im Valueverse-Modell. Darum lohnt sich das Gespräch: Was heißt Freiheit für dich, und was für dein Gegenüber?

In einer Gemeinschaft, also in der Familie, im Team oder in der Firma, braucht ein gemeinsamer Wert einen Satz, der für alle gilt. Zum Beispiel: „Freiheit heißt bei uns: Jeder teilt sich seine Zeit selbst ein, solange das Team sich auf ihn verlassen kann.“ Für dich allein darf Freiheit trotzdem etwas anderes bedeuten.

Wertekarte Freiheit
Die Wertekarte Freiheit

Freiheit bedeutet, dass du über dein Leben selbst entscheidest und eine echte Wahl hast. Als persönlicher Wert heißt das: Du brauchst Raum für deinen eigenen Weg, und du spürst sehr schnell, wenn dich jemand einengt. In Deutschland gehört Freiheit zu den Werten, die den Menschen am wichtigsten sind.

Was bedeutet Freiheit?

Freiheit hat zwei Seiten, die gern durcheinandergehen. Die eine ist die Freiheit von etwas, von Zwang und von Kontrolle. Die andere ist die Freiheit zu etwas, also die Möglichkeit, dein Leben nach deinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. In der Philosophie heißen die beiden negative und positive Freiheit. Für dich persönlich ist die Frage viel einfacher: Wovon willst du frei sein, und wofür?

Dann gibt es noch innere und äußere Freiheit. Äußere Freiheit ist das, was dir die Umstände erlauben, zum Beispiel ein Job mit freier Zeiteinteilung oder genug Geld auf dem Konto, um Nein sagen zu können. Innere Freiheit ist das, was du daraus machst. Du kannst außen alle Möglichkeiten haben und dich trotzdem gefangen fühlen, weil du ständig überlegst, was die anderen von dir denken.

In unserer Werteliste stehen zwei enge Verwandte von Freiheit. Alle drei gehören zum selben Wertetyp, und trotzdem lohnt sich der Blick auf den Unterschied:

Wert Worum es geht Die Frage dahinter
Freiheit eine Wahl haben, dich nicht eingeengt fühlen Darf ich das selbst entscheiden?
Unab­hängig­keit auf niemanden angewiesen sein Brauche ich dafür jemanden?
Autonomie dir deine eigenen Regeln geben Wer legt hier fest, wie es läuft?

Wenn dir beim Lesen eine der drei Fragen sofort unter die Haut geht, ist das ein guter Hinweis, welcher dieser Werte bei dir am stärksten zieht.

Freiheit im Valueverse-Modell

Wertetyp: Erfüllung, Farbe Grün. Der Antrieb: was dich von innen heraus zieht und weit macht.

Die über 200 Werte im Valueverse verteilen sich auf vier Wertetypen. Freiheit steht bei Grün, und für mich ist sie so etwas wie das Paradebeispiel für diesen Typ. Sie ist die Stimme in dir, die irgendwann fragt: Und was willst du? Wie Freiheit neben den anderen grünen Werten aussieht, zeigt die Seite Werte der Erfüllung.

Allein steht Freiheit bei niemandem. In deinem V-Code mischt sie sich mit deinen anderen wichtigen Werten, und erst die Mischung zeigt, wie du Freiheit lebst. Freiheit zusammen mit Familie fühlt sich anders an als Freiheit zusammen mit Abenteuer.

Freiheit im Valueverse-Modell, von oben und von der Seite
Jeder Punkt ist ein Wert aus dem Valueverse-Modell, jede Farbe ein Wertetyp. Von oben liegt Freiheit im grünen Bereich der Erfüllung, ganz außen und in Richtung Veränderung. Von der Seite sitzt sie ganz oben, am Rand des Modells. In der Seitenansicht liegt Sicherheit links und Veränderung rechts. Gestrichelt verbunden ist Sicherheit, ein Wert, der im Modell weit von Freiheit entfernt liegt.

Im Kontrast: Sicherheit

Der klassische Gegenspieler von Freiheit ist Sicherheit. Im Modell gehört sie zu den Werten, die am weitesten von Freiheit entfernt liegen, im Bild ist sie gestrichelt verbunden: Freiheit ganz oben im Grün, Sicherheit weit draußen im Orange. Wenn wir zwei V-Codes nebeneinanderlegen, ist das bei uns das Beispiel schlechthin. Stell dir ein Paar vor. Er will ein halbes Jahr raus und reisen, sie rechnet zuerst durch, ob das Geld reicht. Gefühlt gibt einer Gas und die andere bremst.

Das heißt aber nicht, dass die zwei nicht zusammenpassen. Der Freie braucht ab und zu ein Netz, und die Sichere braucht Luft zum Atmen. Wenn die beiden ihre Werte miteinander verhandeln, statt einen gegen den anderen auszuspielen, entsteht sichere Freiheit. Oder freie Sicherheit, je nachdem, von welcher Seite du kommst. Dann reden die zwei darüber, wie viel von beidem sie in ihr Leben holen wollen. Wie du solche Spannungen früh bemerkst, liest du im Artikel über Wertekonflikte.

Woran du Freiheit im Alltag erkennst

In der Familie

Stell dir einen Sonntag vor, an dem alles verplant ist, mittags Essen bei den Schwiegereltern und nachmittags Kindergeburtstag. Wer Freiheit als Wert hat, kriegt da schon beim Planen schlechte Laune, auch wenn er alle Beteiligten mag. In Familien zeigt sich Freiheit auch darin, wie viel Raum Kinder bekommen. Dürfen sie selbst aussuchen, was sie anziehen, und eigene Fehler machen?

In Partnerschaft und Freundschaft

In einer Beziehung heißt Freiheit, dass du auch allein etwas unternehmen kannst, ohne dich zu rechtfertigen. Manche verwechseln das mit wenig Liebe. Für Menschen mit Freiheit als Wert ist es eher ein Vertrauensbeweis, wenn der andere sie ziehen lässt und sich freut, wenn sie wiederkommen. In Freundschaften merkst du es daran, dass du die Leute magst, bei denen ein Treffen ausfallen darf, ohne dass es Drama gibt. Wenn ihr als Paar schauen wollt, wo eure Werte liegen, hilft der Werte-Test für Paare.

Im Job

Bei der Arbeit zeigt sich Freiheit in der Frage, wie viel du selbst einteilen darfst. Mit einer Chefin, die jeden Zwischenschritt sehen will, gehen Menschen mit diesem Wert schnell ein. Gib ihnen ein Ziel und lass sie den Weg selbst finden, dann blühen sie auf.

Frau hält zwei Wertekarten nebeneinander und wägt ab, welcher Wert ihr wichtiger ist, etwa Freiheit oder Sicherheit
Freiheit oder Sicherheit? Oft stehen beide Werte gleichzeitig weit oben.

Ein paar Beispiele für äußere und innere Freiheit im Alltag:

  • Du teilst dir deinen Tag selbst ein.
  • Du sagst einer Einladung ab, ohne eine Ausrede zu erfinden.
  • Du wechselst den Job, wenn er nicht mehr zu dir passt.
  • Du vertrittst eine Meinung, die nicht alle am Tisch teilen.

Wenn Freiheit kippt

Jeder Wert hat bei uns einen Schatten, und der hängt direkt mit der hellen Seite zusammen. Bei Freiheit heißt der Schatten Bindungslosigkeit. Jede Zusage fühlt sich dann an wie eine Falle. Du hältst dir alles offen, antwortest auf Einladungen mit „mal schauen“ und wunderst dich, dass irgendwann keiner mehr fragt. Das sieht locker aus und fühlt sich mit der Zeit ziemlich einsam an.

Und es gibt eine zweite, leisere Seite, nach der viele bei Google suchen: Freiheit aushalten. Wer plötzlich alle Möglichkeiten hat, etwa nach einer Kündigung oder wenn die Kinder ausgezogen sind, merkt, dass Freiheit auch Druck macht. Keiner sagt dir mehr, was du tun sollst. Solche Übergänge beschreibe ich im Artikel Wenn sich Werte verschieben.

Mir hilft ein Gedanke: Wer sich bewusst an einen Menschen oder an eine Aufgabe bindet, benutzt dafür seine Freiheit.

Was die Studie sagt

In unserer Wertestudie haben 1.000 Menschen in Deutschland 32 Werte bewertet. Je kleiner die Zahl, desto wichtiger: 1 steht für sehr wichtig, 5 für spielt keine Rolle. Freiheit landet auf Platz 8 mit einem Mittelwert von 1,73. Bei Männern steht sie sogar auf Platz 4, bei Frauen auf Platz 9. Am weitesten oben liegt sie bei den 20- bis 39-Jährigen, da kommt sie auf Platz 5.

In Ostdeutschland gehört Freiheit zu den drei wichtigsten Werten, direkt hinter Familie und Gesundheit. Und sie taucht in allen vier Altersgruppen in den Top 12 auf. Die Studie zählt Freiheit und Sicherheit zu den Werten, die sich über alle Altersgruppen hinweg durchsetzen. Mein eigener Top-Wert ist übrigens auch Freiheit, so steht es in der Studie bei den Autoren.

Ist Freiheit einer deiner Werte?

Lies die Fragen und achte auf dein erstes Bauchgefühl:

  • Wirst du unruhig, wenn dein Kalender für die nächsten Wochen voll ist?
  • Reagierst du gereizt, wenn dir jemand genau vorschreibt, wie du etwas machen sollst?
  • Hältst du dir Entscheidungen gern so lange offen wie möglich?
  • Wäre dir freie Zeiteinteilung mehr wert als ein höheres Gehalt?

Zweimal oder öfter Ja? Dann mach den kostenlosen Wertetest. Dort trittst du Wert gegen Wert an und bekommst am Ende deinen V-Code. Lieber Karten in der Hand? Mit Das WERTvollste Spiel der Welt sortierst du in Duellen, bis acht Werte übrig sind. Dann siehst du auch, ob neben der Freiheit vielleicht die Sicherheit ganz oben steht.

Häufige Fragen

Was ist Freiheit einfach erklärt?

Freiheit heißt, dass du selbst entscheiden kannst, wie du lebst, und dabei eine echte Wahl hast. Dazu gehört, dass dich niemand zwingt oder kontrolliert, und dass du Möglichkeiten hast, deinen eigenen Weg zu gehen.

Was ist der Unterschied zwischen innerer und äußerer Freiheit?

Äußere Freiheit hängt von den Umständen ab, etwa von Gesetzen, Geld oder deinem Arbeitsvertrag. Innere Freiheit ist deine Haltung dazu: ob du dich frei fühlst, deine Meinung zu sagen und nach deinen Werten zu handeln, auch wenn andere das nicht gut finden.

Was ist positive und negative Freiheit?

Negative Freiheit meint die Freiheit von etwas, also von Zwang und Einmischung durch andere. Positive Freiheit meint die Freiheit zu etwas, also die Möglichkeit, dein Leben aktiv selbst zu gestalten. Die Unterscheidung kommt aus der Philosophie und geht vor allem auf Isaiah Berlin zurück.

Warum ist Freiheit für Menschen wichtig?

Weil du nur hinter Entscheidungen wirklich stehst, die du selbst getroffen hast. Wer sich dauerhaft fremdbestimmt fühlt, verliert oft die Lust und die Energie. Das heißt nicht, dass jede Regel stört. Wichtig ist, dass du die Regeln, die du lebst, auch bejahen kannst.

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